Ängstlichkeit
Ängstlichkeit ist die leise Schwester der Angst. Sie meldet sich nicht als akuter Alarm, sondern als Grundrauschen. Ein dauerhaftes Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dass man aufpassen muss, dass irgendetwas passieren könnte.
Viele Menschen, die ängstlich sind, kennen das gut: der Körper ist immer ein bisschen angespannt. Gedanken kreisen. Schlafen ist schwierig. In sozialen Situationen läuft ein innerer Beobachter mit, der prüft, wie man wirkt, was andere denken könnten, ob man etwas falsch macht.
Diese chronische Ängstlichkeit ist häufig eine Standardemotion. Das bedeutet, sie ist ein eingeübtes Muster, das sich vertraut anfühlt und das bestimmte andere Gefühle überdeckt. Oft steckt darunter primäre Wut, die sich zu gefährlich anfühlt, um sie zu zeigen. Oder Trauer über etwas Unverarbeitetes. Ängstlichkeit ist dann der Weg des geringsten Widerstands: ein Dauerzustand, der die Person im kindlichen Bewusstsein hält, wachsam, kontrollierend, nie ganz entspannt.
Körperlich zeigt sich das oft als Daueranspannung, zum Beispiel im Nacken oder im Bauch. Der Atem ist flach. Die Person lebt im Voraus, immer schon mit dem nächsten möglichen Problem beschäftigt.
In der therapeutischen Arbeit ist es wichtig, die Ängstlichkeit nicht wegmachen zu wollen. Sie hat eine Funktion und schützt vor etwas. Der interessantere Schritt ist, neugierig zu werden: Was wird hier eigentlich schützend gehalten? Und was wäre da, wenn die Anspannung ein bisschen nachlässt? Das lässt sich langsam erforschen, in kleinen Schritten.
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