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Mindful Motion Tango: Warum es kein Neurotango (c) ist



Solltet Ihr mal statt Tango Argentino "Neuro-Tango" probieren? Ist ja für´s Gehirn!

Eigentlich eher weniger, wenn Ihr Tänzer seid - ist meine Ansicht. Warum?

Neuro-Tango ist eine Tango-ähnliche Bewegungspraxis für verschiedene nicht-tänzerische Zwecke - also nicht für Tänzer (meine Definition...)

Neurotango als Dienst für den Tango: danke Sabine!


Zuerst einmal: mein Respekt für meine Kollegin Sabine Schlafhorst für ihr Buch und Konzept "Neurotango". Sie hat Wichtiges getan, um die positiven Effekte des Tango für die Psyche und den Körper wissenschaftlich zu belegen, und als Konzept und Ausbildung in die Praxis umzusetzen. Damit hat sie der Reputation des Tango einen großen Dienst erwiesen


Jedenfalls für denjenigen, denen damit geholfen wird. Und für die, die alles was sie tun auch am liebsten wissenschaftlich / neurologisch untermauert wissen möchten. Manche meditieren ja auch lieber, wenn sie wissen dass die "Contemplative Neuroscience" durch EEGs beweist, dass Alpha- und Gamma-Wellen dadurch positiv beeinflusst werden.


Puristen werden manchmal eher Schmerzen verspüren, so wie Orchestermusiker, die ihren geliebten Bach als "FUMU" (Funktionale Musik) im Shopping Center hören. Es handelt sich ja auch eher um "FUTA" (Funktionalen Tango, Funktionalen Tanz)....


Aber in der Tat: der Tango in den richtigen Händen kann so viel mehr!


Mein folgender abgrenzender Beitrag ist also auch mit Respekt geschrieben für alle Therapeuten und Coaches, die mit Mut etwas neues lernen möchten. Und auch mit Respekt für die Minderheit der Neurotango-Practitioner, die meine Kollegen im eigentlichen Tango-Unterricht oder Tango-Coaching sind.


Außerdem ist klar, dass Sabine´s Buch "Mindful Motion Tango" in vielem mit mir übereinstimmt. Wir beide sehen zum Beispiel genau, wie der Tango Argentino im Paar schwelende Konflikte sichtbar machen kann. Es geht mir hier nur um das Prinzip und den Unterschied in der Praxis.



Neurotango


Nein, Neurotango ist kein Tango


Wie es eine der zertifizierten Neurotango-Therapeutinnen aus Sicht des Klienten sagt:


Bei dem tangotherapeutischen Konzept Neurotango® geht es nicht darum, den argentinischen Tango zu erlernen. Aus diesem Grund sind keine Tango-Vorkenntnisse erforderlich.

Quelle: https://www.brigitte-reuter-coaching.de/neurotango/


Es ist stattdessen eine Technik, unter Zuhilfenahme von elementaren Bewegungs- und Interaktions-Konzepten des Tango Argentino , neurologische oder andere Defizite auszugleichen (Alzheimer, Parkinson etc).


Deshalb gilt auch für die Ausbildung der Therapeuten für Neurotango ganz explizit:

"Es sind keine Kenntnisse von Tango, Tanz oder Musikalität erforderlich."

Dies gilt dann auch für die Aufbau-Qualifikation "Neurotango-Master", die dem Master erlaubt, seiner/ihrerseits eine Ausbildung zum Practitioner durchzuführen. Das heißt, man kann Neurotango-Practitioner ausbilden, auch wenn man weder man selbst noch der Student je in der Tanzschule war, oder auch nur je Tango getanzt hat.


Quelle: https://www.tango-therapie.com/neurotango--practitioner.html


Das Ausbildungsangebot richtet sich hauptsächlich an "Therapeuten, Mediziner, Coaches, Sozialarbeiter, Heilpraktiker". Also eigentlich an jede, die einen Kopf und zwei Füße hat und in diesem Bereich tätig ist. Auch wenn es sich - theoretisch gesagt - um völlig unmusikalische tänzerische Katastrophen handeln mag, die ihre therapeutische oder Coaching-Praxis durch ein interessantes Angebot ausweiten möchten.


Allerdings zeigt die Liste der zertifizierten Practitioner, dass sich durchaus auch einige wenige Tango-Erfahrene haben zertifizieren lassen.


https://www.tango-therapie.com/zertifizierte-trainer.html


Das ist auch alles ok! Die Wirksamkeit von Neurotango ist ja konzeptionell nicht an die spezifische Tango-Kompetenz des Therapeuten oder des Klienten gekoppelt. Statt dessen wirkt - konzeptionell - schon das reine mechanische Ausführen von bestimmten Bewegungsfolgen und Interaktionen auch oder gerade durch neurologisch geschädigte Patienten. Die "Seele des Tango" als Kunstform ist da nicht das Essentielle.


Neurotango als Multiplikator von Skills


Zunächst einmal stelle ich mit Neid fest, dass Sabine Schlafhorst ein kommerzielles Problem gelöst hat, das für mich ziemlich unlösbar, oder zumindest äußerst schwierig erscheint, nämlich:


Wie multipliziere ich mein eigenes Unterrichts / Coaching / Therapie-Konzept?

Sabine hat es gelöst, indem sie die Herausforderung "Tango Argentino als künstlerische Lehraufgabe" umdefiniert in "Zeigen von Tango-ähnlichen standardisierten Bewegungs- und Interaktionsmustern" (meine Beschreibung aus Sicht des Profi-Tangolehrers!).


Das heißt, es funktioniert als Therapie für verschiedenste Gehirnareale, und erfüllt damit seinen Zweck. Aber es ist nicht unbedingt ein Tanz im Sinn von Ästhetik oder "Seele", und schon garnicht Tango Argentino. Und somit muss die Ausbildung auch keinerlei Tango-Kompetenz voraussetzen. Nicht einmal Rhythmusgefühl ("Musikalität").


Damit kann sie natürlich ihr Konzept problemlos multiplizieren. Ich habe damit ein Problem (siehe unten).




Mindful Motion Tango


Und damit komme ich zu meinem Mindful Motion Tango.


(ROTRAUT, HIER MUSST DU WEITERMACHEN!)

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