Tango-Trance und Tango-Freeze (Brain Freeze). Im Tanz und im Alltag. Wie wir LOSLASSEN oder unter Stress auf den GRUNDSCHRITT zurückfallen
- vor 2 Tagen
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TLDR: In diesem Post ziehe ich eine Parallele zwischen zwei mentalen Zuständen, die ich noch aus meiner Zeit als Tango-Lehrerin kenne (Trance und Freeze), und unserem emotionalen Alltag, dem ich heute als Therapeutin begegne, wenn Menschen unter Stress reagieren.
Das Web vergisst nichts - Eine Uralt-Mailingliste taucht auf
Ein Freund hat mich auf eine alte Tango Argentino Mailing Liste aufmerksam gemacht, die immer noch aktiv ist. Sie entstand 1995, also noch bevor Websites und soziale Medien weit verbreitet waren. Damals war sie praktisch der wichtigste Ort, an dem sich Tangotänzer, Lehrer, Organisatoren und Musiker aus aller Welt austauschten. "Uralt" sieht so altmodisch aus, funktioniert aber immer noch zum Anmelden:

Ich war neugierig. Er hat dann diese Liste heruntergeladen, sodass ich sie mit einer KI durchsuchen konnte . Hier ist die Google NotebookLM Datenbank, wenn du selber interessiert bist (du musst hier nicht einloggen, und nichts wird gespeichert):
Ich wollte wissen , ob ich und Ricardo, mein ehemaliger Tanz-Partner, dort vorkamen. Und in der Tat werde ich erwähnt, ca 2012.

Was ich als Tango-Lehrerin von Tango-Trance und Tango- Freeze unter Stress kenne
Man sieht es von außen nicht immer, aber die Tango-Tanzfläche kann unglaublich wunderbar sein, in manchen Momenten (Trance) , aber leider viel häufiger sehr stressreich (Freeze).
Sie werden durch diese Zustände beschrieben, die man in dieser Datenbank gut illustriert bekommt:
Trance: ein Moment, wo das analytische Denken aufhört und der Körper einfach weiß, was er tut.Ich benutze dafür auch "Flow State", ein Einheitsgefühl in dem alles automatisch passiert.
Freeze: Den anderen kennen die meisten Anfänger, nach der Datenbank vor allem durch hohen gespürten Erwartungsdruck gestresste Männer: das komplette Blackout mitten auf der Tanzfläche. Der Kopf ist leer, die Beine vergessen alles Gelernte, und man verfällt in den Paso Basico, den Grundschritt, als ob man nie etwas anderes getanzt hätte.
Freeze im Alltag: was meine Klienten erleben
Ich erlebe als Therapeutin den Freeze sogar oft bei Menschen, die beruflich sehr kompetent sind und dennoch in Gesprächen mit ihrem Chef oder ihrer Partnerin plötzlich nicht mehr auf ihre Ressourcen zugreifen können. Sie wissen, was sie sagen wollten, aber im Moment selbst ist der Kopf leer. Oder sie fallen in ein altes Muster zurück, das sie eigentlich schon überwunden dachten..
Das ist das, was im Tango "Brain Freeze" genannt wird: das Nervensystem ist überflutet, und das System greift auf das Vertrauteste zurück.
Der Unterschied zwischen Trance und Brain Freeze: das Loslassen
Der Unterschied zwischen Trance und BrainFreeze liegt darin, ob man sich sicher genug fühlt, um die Kontrolle loszulassen.
Im Tango: ob man dem Partner, der Musik, dem eigenen Körper vertrauen kann.
Im Alltag: ob man in einem Gespräch wirklich da sein kann, oder ob man die ganze Zeit darauf wartet, etwas falsch zu machen.
Der Körper lügt nicht: man fällt zurück
Viele der Muster, denen ich bei meinen Klienten begegne, sind genau das. Alte "Überlebensstrategien" (ein Begriff aus der NARM Therapie) , die sich als Schutz etabliert haben und jetzt im Weg stehen. Auf der Tanzfläche sieht man das sehr deutlich, weil der Körper nicht lügen kann. Wer unter Druck in die gleiche Ausweichbewegung fällt, tut das wahrscheinlich auch woanders.
Der Paso Basico ist als Bild wirklich gut. Es ist der Schritt, den man als erstes lernt, der sitzt. Wenn man die Figur, die ihr unten sieht, 20mal eingeübt hat, sitzt sie mechanisch.
Wer neugierig ist, wie wir früher den Paso Basico "eingedrillt" haben, kann es hier sehen. Hier in Spanisch. Die gab es in 11 Sprachen. Alte Zeiten :-)
Mehr davon hier - ohne den Drill.
Und genau deswegen ist er da, wenn alles andere wegfällt.
Im Leben gibt es solche "Grundschritte" auch: das Schweigen, wenn man eigentlich sprechen wollte. Der Rückzug, kurz bevor echte Nähe möglich wäre. Die Übernahme von Verantwortung für etwas, das eigentlich nicht das eigene Problem ist.
Die "Trance" im Tango und um Gespräch
Die Trance im Tango ist etwas anderes: Es ist das, wonach fast alle Tango-Tänzer immer suchen. Den Punkt, wo die Anstrengung, das Wollen, das Eindruck-Machen aufhört und der Tango sich quasi selber tanzt. Das kann sehr "blissful" sein.
Trance im Alltag, in diesem Sinne übertragen, wäre: dass man in einem Gespräch wirklich da ist, aufgehört hat, sich selbst dabei zuzuschauen, und merkt, dass das eigene Fühlen und Denken wieder zusammenpassen. Das passiert selten von allein. Dafür braucht es meistens jemanden, mit dem man lernt, dem eigenen System zu vertrauen, auch wenn es gerade unsicher ist.
Meine "Trance" als Therapeutin: die 50/50 Balance
Für mich als Therapeutin-in-Trance formuliere ich es manchmal anders: In einer wirklich guten Stunde trete "Ich" zurück, es fühlt sich an, als ob ich "aus dem Nichtwissen" spreche: etwas formuliert sich aus dem Moment, ohne dass ich es geplant habe. Das sind, wie früher, "Bliss"-Zustände im Tango mit einem guten Partner, wunderschöne Momente des Seins zu zweit. Natürlich heißt das nicht, dass ich beiseite trete oder emotional werde. Mein Verstand ist immer da. Diese Balance ist, glaube ich, wichtig auch in der Therapie. Der Therapeut soll ja nicht nach innen verschwinden sondern sowohl bei sich wie im Außen, also bei dir, sein.
Was ich heute mit dem Tango mache
Heute ist für mich der Tango immer noch ein zentrales Tool: nicht mehr Virtuosität, nicht mal ein ganzer Tanz oder Schritt: sondern die Elemente davon, die soviel verraten. Das kannst du dir hier ansehen.
Wenn du interessiert bist an meine Art der Therapie oder Entwicklung, kontaktiere mich gerne unter 0163 877 8212. Oder benutze die Kontaktform.


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