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Rotraut Rumbaum

Tango & Psyche


Kleine Einsichten aus 20 Jahren mit Tango und Menschen.  Wenn du dich für diese Themen interessierst, kontaktiere mich gerne hier.

Tanzen als Lernprozess

Es gibt eine schöne Analogie, die im NARM-Training manchmal verwendet wird: Das Erlernen von NARM ist ein bisschen wie das Erlernen des Tanzens. Man kann nicht nur darüber lesen oder darüber reden – man muss es tun, man muss es am eigenen Leib erfahren, wieder und wieder üben, bis es zu einem verkörperten Prozess wird.

Und ich finde, das trifft es wirklich gut. Wenn wir uns mit unseren alten Mustern, mit unseren Überlebensstrategien beschäftigen, dann ist es eben nicht damit getan, dass wir sie verstehen. Das Verstehen ist wichtig, keine Frage. Aber die eigentliche Veränderung, die passiert in der gelebten Erfahrung, im konkreten Tun.

Also, ich kann mir hundert Mal sagen: „Ich sollte lockerer sein im Tango." Aber wenn mein Körper seit Jahren gelernt hat, sich zu verspannen, um sich zu schützen, dann hilft mir der Vorsatz allein nicht weiter. Ich muss es erfahren. Ich muss spüren, wie sich das anfühlt, wenn ich ein kleines Stück mehr loslasse. Und dann wieder und wieder.

Das ist ja auch das, was beim Tanzenlernen passiert. Am Anfang ist man vielleicht total verkopft, versucht sich die Schritte zu merken, ist angespannt. Und dann irgendwann, nach vielen, vielen Wiederholungen, wird es flüssiger. Der Körper weiß plötzlich, was zu tun ist, ohne dass ich nachdenken muss. Es ist zu einem Teil von mir geworden.


Und genauso ist es mit den inneren Veränderungen, die wir anstreben. Wenn ich zum Beispiel gelernt habe, mich immer anzupassen, immer für andere da zu sein und meine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen – dann braucht es viele kleine Erfahrungen, wo ich etwas anderes ausprobiere. Wo ich vielleicht mal Nein sage. Oder wo ich spüre: Was brauche ich eigentlich gerade? Und dann handle ich danach, auch wenn das anfangs holprig ist, auch wenn es sich fremd anfühlt.

Der Tango bietet uns da wirklich ein wunderbares Übungsfeld. Weil wir da konkret im Körper sind, weil wir nicht nur über Veränderung sprechen, sondern sie unmittelbar erleben. Jede Tanda, jeder Tanz ist eine Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht ein bisschen mehr Präsenz, Vertrauen, Klarheit oder was sonst noch so darein spielt.

Und manchmal klappt es, und manchmal eben nicht. Und das ist völlig okay. Wir lernen ja auch nicht von heute auf morgen perfekt zu tanzen. Wir stolpern, wir machen Fehler, wir finden wieder in den Rhythmus. Und genau das ist der Prozess. Das ist das Leben.

Also, sei geduldig mit dir. Erlaube dir, ein Anfänger zu sein, auch wenn du schon lange tanzt. Weil es gibt immer neue Schichten zu entdecken, immer neue Möglichkeiten, tiefer zu gehen. Und jede Erfahrung, auch die holprige, ist wertvoll. Ich habe mich auch noch als Tango Lehrerin nach 17 Jahren manchmal als Anfängerin gefühlt, wenn ich die alten Meister sah.

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