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Rotraut Rumbaum

Tango & Psyche


Kleine Einsichten aus 20 Jahren mit Tango und Menschen.  Wenn du dich für diese Themen interessierst, kontaktiere mich gerne hier.

Umarmung und Körperkontakt im Tango

Vielleicht geht es euch ja auch so, dass die Umarmung im Tango manchmal etwas ganz Besonderes ist – und manchmal eben auch etwas, was uns herausfordert.


Wenn wir im Tango die Umarmung eingehen, diesen Abrazo, dann ist das ja eine sehr intime Form von Körperkontakt. Wir sind nah, wir spüren den anderen Körper, die Wärme, den Atem, die Spannung oder Entspannung. Und interessanterweise begegnet uns in dieser Umarmung oft mehr als nur eine technische Tanzhaltung.


Es könnte sein, dass da etwas von unseren ganz frühen Erfahrungen mitschwingt. Wie bin ich als Baby gehalten worden? Wie wurde ich umarmt, getragen, berührt? War da ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit? Oder gab es vielleicht auch Momente, wo Körperkontakt eher funktional war, ohne wirkliche innere Verbindung?


Diese frühen Erfahrungen prägen uns körperlich. Sie sitzen sozusagen in unserem System drin. Und wenn wir dann im Tango in die Umarmung gehen, kann es sein, dass wir uns da ganz selbstverständlich wohlfühlen – oder dass wir spüren: Irgendwie ist da eine Anspannung. Vielleicht ziehe ich mich ein bisschen zurück, vielleicht fühle ich mich zu eng oder ich bin nicht ganz da.


Das ist nichts, was wir bewusst entscheiden. Es ist eher so, dass unser Körper reagiert auf die Situation. Und das ist völlig in Ordnung. Es ist einfach Information darüber, wie wir in unserer Geschichte Kontakt erlebt haben.


Auf der anderen Seite kann der Tango auch ein wunderbarer Ort sein, um neue Erfahrungen zu machen. Um zu spüren: Ach, ich kann in einer Umarmung sein und trotzdem ich selbst bleiben. Ich kann Nähe zulassen, ohne mich aufzulösen. Oder ich kann lernen, mich überhaupt erst mal für Nähe zu öffnen, wenn das vorher schwierig war.


Manchmal sind es auch ganz subtile Dinge. Wie ist der Kontakt zu meinem eigenen Körper in der Umarmung? Spüre ich meine Füße am Boden? Bin ich in meiner Mitte? Oder bin ich mehr beim anderen, verliere mich da ein bisschen?


Das alles kann man im Tango erkunden, ganz praktisch, ganz körperlich. Ohne dass wir groß darüber reden müssen. Einfach durch das Tun und durch neue Erfahrungen.


Und vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Tango für viele Menschen so berührend ist. Weil wir da in der Umarmung etwas begegnen, was ganz tief in uns drin liegt – dieses Bedürfnis nach Kontakt und Gesehen werden in Verbindung. Und gleichzeitig können wir lernen, dass wir in dieser Verbindung trotzdem ganz wir selbst sein dürfen.

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