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Rotraut Rumbaum

Tango & Psyche


Kleine Einsichten aus 20 Jahren mit Tango und Menschen.  Wenn du dich für diese Themen interessierst, kontaktiere mich gerne hier.

Führen und Folgen – ein neues Verständnis

Heute möchte ich noch mal auf das Thema Führen und Folgen schauen, aber aus einem etwas anderen Blickwinkel. In NARM gibt es nämlich so ein schönes Bild: Die traditionelle therapeutische Beziehung wird umgekehrt. Es ist nicht so, dass der Therapeut führt und der Klient folgt, sondern eigentlich ist es andersherum. Der Klient führt, und der Therapeut folgt.

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass der Klient derjenige ist, der bestimmt, wohin die Reise geht. Der Therapeut bietet Möglichkeiten an, stellt Fragen, macht Angebote – aber die Entscheidung, was wichtig ist, was erforscht werden soll, was gerade dran ist, die liegt beim Klienten.


Und ich finde, das ist auch für den Tango eine interessante Perspektive. Wir reden ja oft davon, dass einer führt und einer folgt, und manchmal klingt das so, als wäre der Führende derjenige, der alles bestimmt, und der Folgende müsste sich einfach nur anpassen. Aber eigentlich ist es viel komplexer und auch viel schöner.

Gutes Führen bedeutet ja nicht, den anderen zu dominieren oder zu kontrollieren. Es bedeutet, einen Vorschlag zu machen, eine Einladung auszusprechen. Und dann zu spüren: Wie nimmt der andere das auf? Kann er oder sie damit etwas anfangen? Oder braucht es eine Anpassung?

Also, auch beim Führen folge ich eigentlich. Ich folge dem, was im Moment zwischen uns entsteht. Ich folge der Musik. Ich folge dem Energiefeld, das wir gemeinsam kreieren. Und gleichzeitig habe ich natürlich eine orientierende Funktion. Ich gebe eine Richtung vor, ich gestalte den Rahmen.

Und umgekehrt bedeutet gutes Folgen nicht, sich einfach nur passiv treiben zu lassen. Es bedeutet, aktiv präsent zu sein, mitzugestalten durch die Art, wie ich den Impuls aufnehme und interpretiere. Der Folgende bringt genauso viel ein wie der Führende. Es ist ein Dialog, ein Gespräch ohne Worte.

Und das ist etwas, was wir oft erst lernen müssen. Vielleicht habe ich als Kind gelernt, dass ich immer tun muss, was andere sagen. Dass meine eigenen Impulse nicht zählen. Dann fällt es mir vielleicht schwer, beim Folgen wirklich präsent zu bleiben und mitzugestalten. Ich verfalle dann eher in ein automatisches Abarbeiten


Oder ich habe gelernt, dass ich immer alles selbst machen muss, weil ich niemandem vertrauen kann. Dann fällt es mir vielleicht schwer, beim Führen wirklich zu folgen – dem, was im Moment entsteht. Ich versuche dann eher, alles zu kontrollieren, jeden Schritt vorauszuplanen.


Im Tango können wir üben, diese Balance zu finden. Dieses feine Zusammenspiel von Geben und Nehmen, von Vorschlagen und Aufnehmen, von Gestalten und Geschehen-Lassen. Und das, was wir da lernen, das können wir in alle unsere Beziehungen mitnehmen. In die Partnerschaft, ins Berufsleben, überall dahin, wo wir mit anderen Menschen zusammen sind.

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