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Rotraut Rumbaum

Tango & Psyche


Kleine Einsichten aus 20 Jahren mit Tango und Menschen.  Wenn du dich für diese Themen interessierst, kontaktiere mich gerne hier.

Vertrauen in den Partner

Wenn wir uns in die Umarmung begeben, geben wir auf eine gewisse Weise Kontrolle ab. Und das braucht Vertrauen. Vor allem in der folgenden Rolle, aber auch beim Führen, braucht es ja dieses Grundvertrauen, dass der andere mich nicht fallen lässt, dass ich mich auf ihn oder sie verlassen kann. Und das ist etwas, was auf den ersten Blick vielleicht einfach klingt, aber tatsächlich unglaublich tief geht.


Also, Vertrauen ist eines dieser psychobiologischen Grundbedürfnisse, von denen wir in NARM sprechen. Als Kinder brauchen wir verlässliche Bezugspersonen, Menschen, die da sind, wenn wir sie brauchen. Menschen, bei denen wir wissen: Die meinen es gut mit mir. Die respektieren mich. Die würdigen mich in meinem Sein.

Und wenn das in der Kindheit nicht ausreichend da war – vielleicht weil die Eltern selbst überfordert waren, vielleicht weil sie unberechenbar reagiert haben oder weil Versprechen nicht gehalten wurden – dann entwickeln wir als Kinder natürlich Strategien, um mit dieser Unsicherheit umzugehen. Manche Kinder werden sehr kontrollierend, versuchen, alles selbst zu regeln. Andere ziehen sich zurück, machen sich ganz klein, versuchen, bloß nicht aufzufallen.

Und das Interessante ist: Diese Muster, die damals nützlich waren, die uns geholfen haben zu überleben, die können uns dann als Erwachsene im Tango wieder begegnen. Vielleicht merke ich, dass ich mich in der Umarmung nicht richtig fallen lassen kann. Dass ich innerlich angespannt bleibe, dass ein Teil von mir immer auf der Hut ist. Oder dass ich umgekehrt sofort alles dem anderen überlasse, mich völlig aufgebe, weil ich nie gelernt habe, auf mein eigenes Gespür zu vertrauen.

Also, was zeigt sich da körperlich? Vielleicht eine Steifheit in der Umarmung, eine Spannung im Nacken oder in den Schultern. Vielleicht atme ich flach. Oder ich merke, dass ich gedanklich schon drei Schritte voraus bin, weil ich ja kontrollieren muss, was als Nächstes kommt. Das ist total menschlich und hat oft damit zu tun, dass mein Nervensystem in einem Zustand ist, wo es schwer ist, sich zu entspannen.


Auf der anderen Seite kann es auch sein, dass ich zu schnell vertraue, dass ich sozusagen blind ins Vertrauen gehe, ohne zu spüren, ob das jetzt wirklich stimmig ist. Das kann dann dazu führen, dass ich immer wieder enttäuscht werde oder mich überfordert fühle, weil ich meine eigenen Grenzen nicht wahrnehme.

Das Schöne ist ja, dass der Tango uns einen Raum bietet, wo wir genau das erkunden können. Wo wir in kleinen Schritten erfahren: Wie fühlt sich das an, wenn ich mich ein Stück weit hingebe? Wo sind meine Grenzen? Und gleichzeitig können wir auch lernen, selbst verlässlich zu sein, selbst Vertrauen zu schenken durch unsere Präsenz und Klarheit.

Also, es geht nicht darum, dass wir jedem Partner blind vertrauen müssen. Es geht darum, dass wir lernen zu spüren: Wo ist Vertrauen möglich und angemessen? Und wo ist es vielleicht wichtig, dass ich für mich sorge, dass ich meine Grenzen wahre?


Vielleicht magst du mal für dich schauen: Wie ist das bei dir im Tango? Fällt es dir leicht, dich fallen zu lassen? Oder merkst du, dass du innerlich immer auf der Hut bist? Und was könnte das möglicherweise mit deiner Geschichte zu tun haben?

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