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Rotraut Rumbaum
Mindful Motion

Die Angst, sich zu verlieren, oder den anderen


Vor einiger Zeit hat mich eine Klientin gefragt: "Warum kann ich mich entweder spüren oder ihn spüren, aber beides zusammen geht nicht?"


Sie meinte das ganz konkret. In dem Moment, wo sie wirklich in Kontakt mit ihrem Partner war, verlor sie den Faden zu sich selbst. Und wenn sie bei sich blieb, zog sie innerlich eine Grenze, die er spürte, auch wenn er es nicht benennen konnte.


Das ist ein anderes Muster als der Rückzug, den ich im letzten Artikel beschrieben habe, aber es hängt damit zusammen. Dort geht es darum, dass Nähe als Bedrohung erlebt wird. Hier geht es darum, was genau bedroht wird: das Gefühl, noch man selbst zu sein.


Was da auf dem Spiel steht


Für manche Menschen ist Nähe mit einer alten Erfahrung verknüpft, in der sie sich anpassen mussten, um dazuzugehören. Nicht dramatisch, nicht in einem Moment. Sondern langsam, über Jahre, durch kleine Signale, dass das eigene So-Sein zu viel ist, zu wenig, oder einfach falsch.


Das Ergebnis ist eine stille Überzeugung: Wenn ich mich wirklich zeige, verliere ich dich. Und die Kehrseite: Wenn ich wirklich zu dir komme, verliere ich mich.


Beides macht Begegnung zu einem Balanceakt. Man ist dabei, aber mit einem Anteil des Bewusstseins ständig damit beschäftigt, die Balance zu halten.


Das andere Muster: Verschmelzung


Es gibt auch die umgekehrte Angst. Menschen, bei denen Nähe bedeutet, ganz hineinzufallen. Die sich in Beziehungen auflösen, die Bedürfnisse des anderen als ihre eigenen erleben, die nicht mehr wissen, was sie selbst wollen, sobald jemand anderes im Raum ist.


Das sieht manchmal aus wie Hingabe. Es ist aber eher das Gegenteil. Es ist der Verlust des Kontakts zu sich selbst, der entsteht, weil Selbst-Behauptung sich früh als zu riskant herausgestellt hat.


Laurence Heller beschreibt das so: Echter Kontakt enthält beides gleichzeitig, ein Ich und ein Du, und aus beidem entsteht ein Wir. Wenn entweder das Ich oder das Du wegfällt, ist das keine wirkliche Begegnung mehr, sondern ein Ausweichen in eine andere Form.


Was das im Körper macht


In der Arbeit mit NARM Touch begegnet mir das konkret. Da ist zum Beispiel die leichte Versteifung, wenn jemand wirklich in Kontakt kommt. Oder das Gegenteil: ein Nachgeben, das zu vollständig ist, zu angepasst. Der Körper zeigt, was die Sprache schwer fasst.


Abgestimmte Berührung kann hier etwas anbieten, was Gespräche allein oft nicht können: die Erfahrung, im Kontakt zu sein und gleichzeitig noch da zu sein. Das Nervensystem lernt das nicht durch Einsicht, sondern durch Wiederholung.


Die Frage, die sich verändert


Was ich beobachte, wenn diese Arbeit greift: Die Frage verschiebt sich. Zu Beginn ist sie oft: "Wie kann ich Nähe aushalten?" Oder: "Wie kann ich mich nicht verlieren?" Mit der Zeit wird sie zu: "Wie ist es, bei mir zu sein und gleichzeitig wirklich mit jemandem in Kontakt zu sein?"

Das ist keine kleine Verschiebung. Es ist der Übergang von einem Überlebensmodus in etwas, das eher wie Leben aussieht.


Häufige Fragen


Woher weiß ich, welches Muster bei mir wirkt?

Oft zeigt sich das im Nachhinein: Ich merke, dass ich in einem Gespräch irgendwann "weg" war, entweder von mir oder vom anderen. Es kann sich auch im Körper zeigen, als Anspannung, als ein flacheres Atmen, als das Gefühl, auf der Hut zu sein. Beides lässt sich erkunden.


Ist das ein Trauma?

Das Wort Trauma ist belastet. Was ich sagen kann: Diese Muster entstehen meistens früh, in Zeiten, wo man keine Wahl hatte. Sie sind Anpassungen, die Sinn ergeben haben. Ob man sie als Trauma bezeichnet oder als Überlebensstrategie, verändert die Erfahrung selbst nicht.


Brauche ich dafür eine Therapie?

Manche Verschiebungen passieren auch außerhalb von Therapie, durch Beziehungen, durch Körperarbeit, durch Bewusstsein allein. Wenn das Muster tief sitzt und sich trotz allem wiederholt, ist begleitete Arbeit oft hilfreicher als der Versuch, es allein aufzulösen.


Weiterführende Seiten:

→ Wenn Nähe sich wie Bedrohung anfühlt

→ Wie ich arbeite

→ Erstgespräch vereinbaren

Frei sein wollen UND verbunden bleiben

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Grenzen setzen und Nein sagen

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Konflikt-Eskalation

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Überfürsorge für Andere und Parentifizierung

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Worin sich das ausdrücken kann

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