Rotraut Rumbaum
Mindful Motion
Wenn Berührung Sicherheit gibt, und wann nicht
Ein Kollege hat mich neulich gefragt, warum ich überhaupt mit Berührung arbeite, wo Gespräch doch auch wirkt. Die Frage hat mich beschäftigt, weil sie von einer Voraussetzung ausgeht, die so nicht stimmt: dass Berührung einfach eine andere Technik ist, die man einsetzen kann oder lassen.
Das ist sie nicht.
Berührung spricht etwas an, das vor der Sprache liegt. Das implizite Gedächtnis, die Schicht in uns, die gespeichert hat, wie es sich anfühlt, gehalten zu werden, zu nah zu sein, berührt zu werden ohne Wahl. Dieser Speicher ist alt. Viel älter als jede Erinnerung, auf die man sich im Gespräch beziehen könnte.
Das bedeutet: Berührung kann sehr viel geben. Und sie kann aufwühlen, überfluten oder abstoßen, wenn der Kontext nicht stimmt.
Was "sicher genug" bedeutet
In meiner Arbeit mit NARM Touch ist die Frage nie: Berühre ich jetzt oder nicht? Die Frage ist: Was braucht dieser Moment? Und vor allem: Was braucht diese Person, in diesem Körper, mit dieser Geschichte?
Berührung, die sicher wirkt, ist kein Ergebnis der richtigen Technik. Sie entsteht aus einer Beziehung, die sich langsam aufgebaut hat, aus Abstimmung, aus dem Eindruck: Hier wird mir nicht etwas gemacht. Hier entsteht etwas gemeinsam.
Ohne diese Basis kann dieselbe Berührung, die einer Person tief gut tut, bei einer anderen das alte Schutzprogramm aktivieren, das leise Zurückweichen, das Einfrieren, das Halten des Atems. Das ist kein Versagen. Das ist das Nervensystem, das tut, was es früh gelernt hat.
Wann Berührung nicht hilft
Es gibt Momente, in denen Berührung das Falsche ist. Wenn jemand sich noch nicht sicher genug fühlt, um wirklich anzukommen. Wenn die therapeutische Beziehung noch zu frisch ist. Wenn das, was sich im Körper zeigt, gerade zu viel Energie trägt und Halt braucht, bevor es sich bewegen kann.
Ich arbeite auch dann, nur anders. Mit Worten, mit Nähe, mit Präsenz, die nicht übergreift. Das kann manchmal mehr sein als jede Berührung.
Was mich interessiert, ist die Frage, die entsteht, wenn jemand bemerkt: Ich lasse das eigentlich nicht zu. Die Berührung kommt an, aber irgendetwas in mir macht zu. Das ist kein Widerstand, gegen den man ankämpfen müsste. Das ist ein Signal, das verstanden werden will.
Was sich dann verändern kann
Wenn Berührung wirklich landet, dann zeigt sich das meist nicht in einem großen Moment. Eher so: der Atem wird tiefer, die Schultern geben ein bisschen nach, jemand ist plötzlich mehr da. Manchmal kommt danach etwas hoch, ein Gefühl, eine alte Erinnerung, eine Traurigkeit, die lange keinen Platz hatte.
Das ist keine Nebenwirkung. Das ist das, wofür dieser Rahmen da ist.
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