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Rotraut Rumbaum
Mindful Motion

Das Gedächtnis des Körpers, was Worte nicht erreichen


Vor ein paar Wochen saß eine Frau bei mir, Anfang vierzig, sehr reflektiert, sehr wortgewandt. Sie hatte schon einige Jahre Gesprächstherapie hinter sich und konnte ihre Geschichte klar erzählen. Sie wusste, was ihr passiert war. Sie konnte es einordnen, benennen, kontextualisieren. Und trotzdem hatte sich etwas Wesentliches nicht verändert.


Sobald jemand ihr körperlich nah kam, zog sich etwas in ihr zusammen. Eine Enge im Brustbereich, ein Anhalten des Atems. Sie beschrieb es als „wie eine Tür, die zugeht". Nicht im Kopf, sondern im Körper. Und das obwohl sie kognitiv längst verstanden hatte, warum das so ist.


Was der Kopf versteht, hat der Körper noch nicht erfahren


Das ist etwas, das mir in meiner Arbeit oft begegnet: Menschen, die ihr Thema kennen, die es durchdacht haben, die vielleicht auch schon viel darüber gesprochen haben, und bei denen trotzdem im entscheidenden Moment der Körper etwas anderes tut als der Verstand es gerne hätte.


Das liegt daran, dass die Erfahrungen, die uns am meisten prägen, nicht im bewussten, sprachlich zugänglichen Gedächtnis gespeichert sind. Daniel Stern hat das „implizites Beziehungswissen" genannt: alles, was ein Säugling darüber lernt, wie man mit anderen Menschen zusammen ist, was man erwarten kann, was sicher ist und was bedrohlich. Dieses Wissen ist nonverbal. Es sitzt im Körper, in Muskelspannung, in Atemmustern, in der Art wie jemand auf Kontakt reagiert, bevor überhaupt ein Gedanke formuliert ist.


Und genau das ist die Grenze von Ansätzen, die nur über Sprache arbeiten. Du kannst eine Einsicht haben und die ist auch wertvoll, aber sie erreicht dieses implizite Gedächtnis oft nicht. Weil es eine andere Sprache spricht (sofern man das überhaupt Sprache nennen kann).


Wenn Reden allein reichen würde


Ich sage das ohne Wertung gegenüber Gesprächstherapie. Reden ist wichtig. Die eigene Geschichte zu versprachlichen, das hat Kraft und verändert etwas. Aber bei Entwicklungstrauma, also bei Prägungen, die sehr früh passiert sind, noch bevor es Worte gab, stößt das Gespräch irgendwann an eine Grenze.


Laurence Heller, der Begründer von NARM, formuliert das so: Weil implizites Gedächtnis nicht-konzeptuell und nicht-linguistisch ist, lässt es sich mit rein verbalen Methoden nur schwer erforschen. Wir brauchen Zugänge, die von unten nach oben arbeiten, also vom Körpererleben zum Bewusstsein, und nicht umgekehrt.


Das klingt vielleicht erstmal abstrakt. In der Praxis sieht das so aus: Jemand erzählt von einer schwierigen Situation und während er redet, verändert sich seine Haltung. Er rutscht ein Stück zusammen, der Tonus lässt nach, der Atem wird flacher. Und dann geht es wieder hoch, und er redet weiter, und dann rutscht er wieder zusammen. Dieses Muster passiert unterhalb des Bewusstseins. Wenn ich nur auf die Worte höre, verpasse ich es.


Was NARM Touch da anders macht


In meiner Arbeit mit NARM und NARM Touch achte ich auf beides, auf das Gesagte und auf das, was der Körper parallel dazu zeigt. Berührung, die langsam und abgestimmt ist, kann dem Nervensystem eine Erfahrung anbieten, die rein verbale Arbeit nicht herstellen kann: die Erfahrung, dass Kontakt sicher ist. Auf einer Ebene, die älter ist als Sprache.


Das braucht Zeit. Und es braucht einen Rahmen, in dem man auch Nein sagen darf, in dem Rückzug genauso willkommen ist wie Kontakt. Weil der Körper nur dann eine neue Erfahrung integrieren kann, wenn er sich dabei sicher genug fühlt.

Manche spüren eine Verschiebung schon nach wenigen Sitzungen. Andere brauchen länger. Das ist keine Frage von Erfolg oder Misserfolg, sondern davon, wie alt und wie tief das Muster sitzt.


Häufige Fragen


Heißt das, Gesprächstherapie bringt nichts?

Nein. Es heißt, dass verbale Einsicht eine von mehreren Ebenen ist. Bei frühen Prägungen reicht sie allein oft nicht aus. Beide Zugänge, verbal und somatisch, können sich ergänzen.


Muss ich dafür meine Geschichte erzählen?

Du musst nichts erzählen, was du nicht erzählen willst. NARM arbeitet mit dem, was im Moment da ist, im Erleben, im Körper, im Kontakt zwischen uns.


Wie weiß ich, ob das für mich passt?

Wenn du das Gefühl hast, dass du dein Thema eigentlich verstehst, aber sich trotzdem nichts wirklich verändert, dann könnte das ein Hinweis sein, dass der Körper noch eine andere Erfahrung braucht als die, die Worte allein bieten können.


Weiterführende Seiten:

→ Warum Nähe manchmal bedrohlich wirkt

→ Wie ich arbeite

→ Erstgespräch vereinbaren

Worin sich das ausdrücken kann

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