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Rotraut Rumbaum
Mindful Motion

Lebendigkeit als Geburtsrecht


Vor ein paar Wochen kam eine Klientin zu mir, die sagte: „Ich funktioniere gut. Aber ich spüre mich nicht." Sie hatte einen Job, eine Beziehung, einen Alltag, der von außen betrachtet stimmig aussah. Trotzdem beschrieb sie ein Gefühl, als würde sie hinter einer Glasscheibe leben. Alles da, aber nichts davon wirklich erreichbar.


Ich kenne dieses Bild gut aus meiner Arbeit. Menschen, die alles Mögliche hinbekommen und gleichzeitig das Gefühl haben, dass etwas Wesentliches fehlt. Etwas, das sich schwer benennen lässt. Lebendigkeit wäre ein Wort dafür.


Was Lebendigkeit eigentlich meint


Lebendigkeit ist kein Hochgefühl. Es ist auch kein Zustand, den man erreichen muss, indem man genug meditiert oder die richtige Therapie macht. In der Arbeit mit NARM verstehen wir Lebendigkeit als etwas, das schon da ist, als eine Grundausstattung. Laurence Heller, der Begründer von NARM, spricht von der Lebenskraft als dem, was uns im Kern ausmacht, bevor irgendetwas davon verformt oder gedämpft wurde.

Das klingt vielleicht erstmal abstrakt. Aber wenn du dir ein kleines Kind vorstellst, das gerade laufen lernt und sich für alles interessiert, die Katze, den Stein, das Geräusch vom Regen, dann siehst du diese Kraft in Aktion. Da ist Neugier, Bewegung, Kontakt. Das muss niemand herstellen. Es ist einfach da.


Wie es dazu kommt, dass wir davon abgeschnitten werden


Kinder sind darauf angewiesen, dass die Menschen um sie herum ihre Lebendigkeit aushalten können. Ihre Wut, ihre Lust, ihre Bedürfnisse, ihre Intensität. Wenn das, was ein Kind an Lebenskraft mitbringt, für die Bezugspersonen zu viel ist oder bedrohlich wirkt, lernt das Kind: Ich muss mich zurücknehmen. Ich muss leiser werden. Weniger werden.


Das passiert selten durch ein einzelnes Ereignis. Es ist eher wie eine langsame Dimmer-Bewegung. Die Energie, die eigentlich in Richtung Kontakt, Ausdruck und Selbstbehauptung fließen würde, wird umgeleitet in Anpassung, Kontrolle oder Rückzug. Das Nervensystem lernt, dass Sicherheit bedeutet: weniger spüren, weniger zeigen, weniger sein.


Geburtsrecht, kein Verdienst


Was mich an diesem Konzept berührt: Lebendigkeit ist nichts, was du dir verdienen musst. Sie ist keine Belohnung für gelungene Selbstoptimierung. Sie ist auch kein Privileg für Menschen, die eine gute Kindheit hatten. Im NARM-Verständnis ist sie ein Geburtsrecht. Wir kommen damit auf die Welt, mit dieser Kraft. Was danach passiert, die Verformungen, die Schutzstrategien, die Identifikationen mit dem, was wir glauben, sein zu müssen, das ist Anpassung. Notwendig vielleicht, sinnvoll damals, aber es ist nicht das, was wir im Kern sind.


Und das verändert etwas, wenn es wirklich ankommt. Weil dann die Frage nicht mehr lautet: Was stimmt nicht mit mir? Sondern: Was ist im Weg?


Was das für die therapeutische Arbeit bedeutet


In meiner Arbeit mit NARM und NARM Touch geht es weniger darum, etwas zu reparieren. Es geht darum, die Blockaden zu verstehen, die den Zugang zur eigenen Lebendigkeit versperren. Und das ist oft feiner, als man denkt. Es zeigt sich im Atem, in der Körperspannung, in der Art, wie jemand von sich spricht. Manche merken zum Beispiel, dass sie sich gar nicht erlauben, Freude wirklich durchzulassen. Oder dass sie sich systematisch unter ihren Möglichkeiten bewegen, weil es sich sicherer anfühlt.

NARM Touch arbeitet dabei auf einer Ebene, die das Gespräch oft nicht erreicht. Langsame, abgestimmte Berührung kann dem Körper eine Erfahrung geben, die er vielleicht nie hatte: Dass es sicher ist, lebendig zu sein. Dass Intensität auszuhalten ist. Dass Ausdehnung willkommen ist.


Was sich verändern lässt


Die Klientin, von der ich am Anfang erzählt habe, die hat nach einigen Sitzungen etwas beschrieben, das ich schön fand. Sie sagte, es sei, als ob jemand langsam das Licht hochdreht. Alles sehe gleich aus, aber es fühle sich anders an. Wärmer. Näher.

Das ist oft der erste Schritt. Keine großen Umbrüche, kein Aha-Erlebnis, das alles verändert. Eher ein Mehr an Spürbarkeit. An Wahlmöglichkeit. An Präsenz. Die Lebenskraft war nie weg. Sie war nur nicht zugänglich.


Häufige Fragen


Muss ich dafür meine Kindheit aufarbeiten?

In NARM schauen wir auf die Vergangenheit, aber wir leben nicht dort. Was uns interessiert, ist, wie frühe Muster heute noch wirken und was im gegenwärtigen Moment möglich wird. Du brauchst keine vollständige Biografie deiner Kindheit, um etwas zu verändern.


Ich fühle mich nicht "traumatisiert", aber auch nicht wirklich lebendig. Passt das?

Ja. Viele Menschen, die zu mir kommen, würden sich selbst nicht als traumatisiert bezeichnen. Was sie beschreiben, ist eher ein Gedämpftsein, ein Funktionieren ohne wirkliches Beteiligtsein. Genau damit lässt sich arbeiten.


Wie läuft eine Sitzung ab?

Wir beginnen mit dem, was gerade da ist. Ich arbeite mit Gespräch und, wenn du das möchtest, mit NARM Touch. Eine Sitzung dauert 60 Minuten. Was genau passiert, hängt davon ab, was sich zeigt.


Weiterführende Seiten:

→ Warum Nähe manchmal bedrohlich wirkt

→ Wie ich arbeite

→ Erstgespräch vereinbaren

Innere Leere

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Scham und Selbstkritik

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Zugehörigkeit (Aliengefühl, Hinter der Glasscheibe)

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Worin sich das ausdrücken kann

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