.visually-hidden { position: absolute !important; width: 1px; height: 1px; padding: 0; margin: -1px; overflow: hidden; clip: rect(0, 0, 0, 0); white-space: nowrap; border: 0; } a { color: #1a5cff; text-decoration: underline; } a:hover { color: #003bb3; }
top of page

Rotraut Rumbaum
Mindful Motion

Wie sich das Nervensystem beruhigt, und warum das Zeit braucht


Vor ein paar Wochen sagte eine Klientin zu mir: „Ich verstehe ja alles, was Sie sagen. Aber mein Körper macht trotzdem weiter." Sie hatte Recht. Und genau da liegt etwas, das ich für wesentlich halte.


Viele Menschen, die zu mir kommen, haben schon einiges ausprobiert. Atemübungen, Meditation, Yoga, vielleicht auch Gesprächstherapie. Manches davon hat geholfen, zumindest kurzfristig. Aber dieses Grundgefühl von innerer Anspannung, von einem Körper, der einfach nicht runterfährt, das bleibt oft bestehen. Und dann kommt die Frage: Stimmt etwas nicht mit mir?


Warum Verstehen allein nicht reicht


Wenn wir als Kinder die Erfahrung gemacht haben, dass unsere Umgebung nicht verlässlich sicher war, dann hat unser Körper daraus gelernt. Er hat die Erregung hochgefahren, die Wachsamkeit verstärkt, oder er ist in eine Art Erstarrung gegangen. Das war damals die klügste Lösung, die der Organismus hatte.


Das Problem: Diese Lösung ist geblieben. Sie ist tief eingeschrieben, im Muskeltonus, im Atemrhythmus, in der Art, wie wir auf Reize reagieren, bevor wir überhaupt nachdenken können. Das Nervensystem hat sozusagen ein Programm installiert, das permanent im Hintergrund läuft. Und dieses Programm lässt sich nicht durch Einsicht allein überschreiben, weil es älter ist als Sprache, älter als bewusstes Denken.


Der Rhythmus, der fehlt


Es gibt einen natürlichen Rhythmus zwischen Aktivierung und Entspannung, wie zwei Wellen, die sich abwechseln. Bei Menschen, deren Nervensystem früh unter Dauerstress stand, ist dieser Rhythmus gestört. Die Aktivierung dominiert, oder es kippt von Hochspannung direkt in Erschöpfung, ohne echte Erholung dazwischen.


Ich erlebe das bei Klienten sehr konkret: jemand sitzt mir gegenüber, wirkt ruhig, redet besonnen, und gleichzeitig ist der Atem flach, die Schultern hochgezogen, der Kiefer angespannt. Der Körper ist in Bereitschaft, auch wenn der Kopf sagt, dass gerade alles okay ist.


Warum das Zeit braucht


Wenn interpersonelle Regulation in der Kindheit gefehlt hat, also die Erfahrung, dass ein anderer Mensch uns hilft, uns zu beruhigen, dann konnten sich bestimmte neuronale Netzwerke nicht so entwickeln, wie sie es gebraucht hätten. Die Fähigkeit zur Selbstregulation baut auf Co-Regulation auf. Was nicht da war, muss nachgeholt werden, und das geht nur über wiederholte neue Erfahrungen.


Das klingt vielleicht frustrierend. Aber es erklärt, warum ein einzelner Workshop oder ein guter Ratschlag zwar schön sein kann, aber selten tiefgreifend etwas verändert. Das Nervensystem braucht Wiederholung. Es braucht Erfahrungen, die dem alten Programm widersprechen, und zwar in einer Dosierung, die es auch aufnehmen kann. Zu viel auf einmal, und das System macht wieder dicht.


Wie ich damit arbeite


In meiner Arbeit mit NARM und NARM Touch beobachte ich genau diesen Übergang: wo der Körper anfängt, etwas anders zu machen als sonst. Das kann ganz klein sein, ein Atemzug, der tiefer geht als üblich. Eine Schulter, die sich senkt. Ein Moment, in dem jemand merkt, dass Kontakt gerade nicht bedrohlich ist.

Berührung spielt dabei eine besondere Rolle, weil sie direkt auf der Ebene anspricht, auf der das Muster sitzt. Eine Berührung, die langsam und abgestimmt ist, gibt dem Körper eine Information, die über das Kognitive hinausgeht: Es ist gerade sicher hier. Und das ist etwas, was man jemandem nicht erklären kann, das muss erlebt werden.


Was realistisch ist


Ich sage meinen Klienten ungern, dass etwas „schnell" geht. Was ich sagen kann: Eine erste Verschiebung ist oft relativ bald spürbar. Menschen berichten, dass sie nach einigen Sitzungen merken, wie sie in Situationen, die sie sonst getriggert hätten, etwas mehr Spielraum haben. Die automatische Reaktion ist noch da, aber es gibt eine kleine Lücke, in der Wahl möglich wird.

Die tieferen Schichten brauchen länger. Das hat nichts mit Versagen zu tun, sondern damit, dass wir hier über Muster sprechen, die teilweise jahrzehntealt sind. Der Körper prüft sehr sorgfältig, ob diese neuen Erfahrungen verlässlich sind, bevor er sein Programm aktualisiert. Und ich finde, das verdient Respekt.


Häufige Fragen


Warum kann ich mich nicht einfach entspannen, obwohl ich weiß, dass keine Gefahr besteht?

Weil Entspannung für ein chronisch aktiviertes Nervensystem zunächst selbst wie eine Bedrohung wirken kann. Kontrolle loszulassen fühlt sich unsicher an, wenn Kontrolle lange die einzige Überlebensstrategie war. Das verändert sich, wenn der Körper über neue Erfahrungen lernt, dass Loslassen sicher sein kann.


Hilft Sport oder Bewegung bei Nervensystem-Regulation?

Bewegung kann unterstützend wirken, besonders wenn sie den natürlichen Rhythmus von Anspannung und Lösung fördert. Intensiver Sport kann aber auch eine Form sein, die Aktivierung aufrechtzuerhalten, ohne wirklich zur Ruhe zu kommen. Das ist individuell sehr verschieden.


Kann ich auch alleine an meiner Regulation arbeiten?

Bis zu einem gewissen Punkt. Aber gerade weil Selbstregulation sich ursprünglich im Kontakt mit anderen entwickelt, braucht es für tiefere Veränderung oft auch einen relationalen Rahmen, also eine therapeutische Beziehung, in der neue Erfahrungen möglich werden.


Weiterführende Seiten:

→ Warum Nähe manchmal bedrohlich wirkt

→ Wie ich arbeite

→ Erstgespräch vereinbaren

Körperliche Symptome (Erschöpfung, Verspannung...)

Mehr

Worin sich das ausdrücken kann

bottom of page