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Rotraut Rumbaum
Mindful Motion

Warum Scham sich im Körper versteckt

Vor ein paar Wochen saß eine Frau bei mir, die sich seit Jahren für etwas schämt, das sie nicht mal benennen kann. Sie hat es versucht, mehrfach. Aber jedes Mal, wenn sie dem Gefühl näher kam, passierte dasselbe: die Stimme wurde leiser, der Blick ging nach unten, die Schultern fielen zusammen. Als würde ihr Körper sagen: Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht zeigen.

Das ist keine ungewöhnliche Reaktion. Das begegnet mir in Sitzungen oft, manchmal ganz offensichtlich, manchmal so subtil, dass man es fast übersieht. Jemand hält mitten im Satz inne. Jemand lacht plötzlich, obwohl gerade etwas Ernstes aufgetaucht ist. Jemand entschuldigt sich für Tränen, die gerade erst anfangen zu fließen.

Was Scham im Körper macht

Scham ist kein Gedanke. Jedenfalls nicht zuerst. Scham ist eine körperliche Reaktion, und zwar eine heftige. Da schießt erst eine Welle von Erregung hoch, so ein Aufwallen, und dann kommt der Zusammenbruch. Die Stimme versagt, der Kopf wird leer, der Blick geht weg. Manche beschreiben es als "im Boden versinken wollen". Das ist eine ziemlich genaue Beschreibung dessen, was der Körper in diesem Moment tut.


Dieser Kollaps hat eine Funktion. Er schützt davor, gesehen zu werden mit etwas, das sich anfühlt wie: damit stimmt grundsätzlich etwas nicht. Und dieses "etwas" bezieht sich auf das ganze Sein, auf das, was ich bin, so wie ich bin. Das unterscheidet Scham von Schuld. Schuld sagt: Ich habe etwas Falsches getan. Scham sagt: Ich bin falsch.

Warum das Verstecken so gut funktioniert

Scham braucht das Geheime. Sie funktioniert am besten im Dunkeln, dort, wo niemand hinschaut. Laurence Heller, der Begründer von NARM, formuliert es so:

Scham operiert im Verborgenen. Sobald etwas ans Licht kommt, was bisher versteckt war, fängt sich etwas an zu verändern.


Aber genau das macht es so schwer. Weil der Körper gelernt hat, blitzschnell alles zu verbergen, was Scham auslösen könnte. Jemand weint und hält sich sofort den Mund zu, damit man den Ton nicht hört. Jemand spürt ein Bedürfnis auftauchen und schiebt es weg, bevor es überhaupt ins Bewusstsein kommt. Das sind keine bewussten Entscheidungen. Das sind alte Reflexe, tief im impliziten Gedächtnis verankert, oft seit der frühen Kindheit.

Was da eigentlich versteckt wird, sind meistens ganz natürliche Dinge: Bedürfnisse nach Kontakt, nach Einstimmung, nach dem Zeigen von Berührtsein oder Trauer. Impulse, für die irgendwann einmal die Spiegelung fehlte, oder die beschämt wurden, oder die einfach keinen Platz hatten.

Wie ich damit arbeite

In der Arbeit mit NARM und NARM Touch geht es mir darum, einen Raum zu schaffen, in dem das, wofür jemand sich schämt, da sein darf. Das klingt einfach, ist es aber nicht, weil allein schon in eine Therapie zu kommen, schambesetzt ist. Dieses leise "Was stimmt denn mit mir nicht, dass ich das brauche?"

Ich versuche, in den Sitzungen aufmerksam dafür zu sein, wann eine Schamreaktion auftaucht. Oft ist sie ein Signal dafür, dass jemand gerade in Kontakt kommt mit etwas Bedeutsamem. Die Scham selbst ist dann weniger das Thema als das, was kurz davor passiert ist, wovor die Scham schützt.

Über den Körper lässt sich das manchmal leichter erreichen als über Worte. Weil die Muster sich körperlich zeigen, bevor sie sprachlich werden: in der Haltung, im Atem, in der Art, wie jemand sich zusammenzieht. NARM Touch kann dem Nervensystem eine Erfahrung anbieten, in der es okay ist, sichtbar zu sein, auch mit dem, was sich falsch anfühlt.

Was sich verändern kann

Das Ziel ist nicht, keine Scham mehr zu empfinden. Gesunde Scham hat eine Funktion, sie schützt die Würde, die eigene und die von anderen. Worum es geht: die alten schambasierten Überzeugungen, dieses tiefe "mit mir stimmt etwas nicht", zu erkennen und zu merken, dass sie nicht die Wahrheit über uns sind. Sondern eine Überlebensstrategie, die irgendwann sinnvoll war.

Das verändert sich langsam. Manchmal merkt jemand nach ein paar Sitzungen zum ersten Mal, dass ein Gefühl auftauchen darf, ohne dass sofort der Impuls kommt, es zu verstecken. Das sind kleine Momente, die sich aber ziemlich deutlich anfühlen.

Häufige Fragen


Wie merke ich, ob Scham bei mir eine Rolle spielt?

Oft zeigt sich das an Dingen, die du vermeidest, ohne genau zu wissen warum. An Situationen, in denen du dich plötzlich klein fühlst oder den Impuls hast, dich unsichtbar zu machen. Oder an einem inneren Kritiker, der grundsätzlicher urteilt als nur über einzelne Handlungen.

Muss ich in der Therapie über alles reden, wofür ich mich schäme?

Nein. Die Arbeit geht über den Körper genauso wie über Sprache. Und vieles zeigt sich, ohne dass es in Worte gefasst werden muss. Was zählt, ist weniger das Aussprechen als die Erfahrung, dass etwas da sein darf, was vorher versteckt war.


Ist Scham das gleiche wie geringes Selbstwertgefühl?

Die beiden hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe. Geringes Selbstwertgefühl kann viele Quellen haben. Scham in dem Sinne, wie ich sie hier beschreibe, geht tiefer, sie betrifft das Grundgefühl, so wie man ist, nicht in Ordnung zu sein. Und sie sitzt im Körper, nicht nur im Kopf.


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