Mitgefühl
Mitgefühl klingt nach etwas Selbstverständlichem. Aber wer genauer hinschaut, merkt schnell: Mitgefühl hat verschiedene Qualitäten. Und nicht jedes Mitgefühl, das wir empfinden oder zeigen, kommt wirklich aus einem freien Impuls.
Es gibt Mitgefühl, das aus Angst entsteht. Aus dem Bedürfnis, gemocht zu werden, nicht zu enttäuschen, keine Konflikte zu provozieren. Dieses Mitgefühl erschöpft. Der Mensch gibt, ohne wirklich bei sich zu sein. Er spürt die Not anderer, aber seine eigenen Bedürfnisse tauchen in diesem Moment nicht auf. Das kann zu einem Muster werden: ständig für andere da zu sein, aber sich innerlich leer und ungesehen zu fühlen.
Dann gibt es Mitgefühl, das aus einem anderen Ort kommt. Aus echtem Kontakt mit der eigenen Verletzlichkeit. Wer gelernt hat, sich selbst mit einer gewissen Wärme zu begegnen, kann auch anderen wirklich begegnen, ohne sich dabei zu verlieren. Dieses Mitgefühl trägt sich anders. Es erschöpft weniger. Es verbindet.
In der NARM-Arbeit betrachten wir Mitgefühl als ein Zeichen von Heilung, das sich entwickelt, wenn Menschen beginnen, ihre alten Überlebensstrategien ein Stück weit loszulassen. Wer weniger damit beschäftigt ist, sich selbst zu schützen oder zu beweisen, hat mehr Kapazität, den anderen wirklich wahrzunehmen.
Selbstmitgefühl ist dabei eine Voraussetzung, keine Selbstbezogenheit. Wer sich selbst gegenüber freundlich sein kann, muss sich das anderen gegenüber nicht mehr erkämpfen. Das ist auch in der therapeutischen Beziehung spürbar.
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