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Konflikte die sich im Kreis drehen oder eskalieren
Konflikte, die sich im Kreis drehen oder eskalieren
Ihr streitet über Hausarbeit, Geld, die Kinder, Sex. Zu Hause, im Auto, vor dem Einschlafen. Und irgendwie ist es jedes Mal dasselbe. Das Thema wechselt, aber das Muster des Streits bleibt. Neulich sagte mir eine Frau: "Wir wollen nur lernen, ohne zerstörerisch zu sein, Konflikte auszutragen." So geht es vielen Paaren.
Warum drehen sich Beziehungskonflikte im Kreis?
Konflikte sind völlig okay. Die Art, wie wir mit ihnen umgehen, oft weniger.
Ein Konflikt wird zunächst als Bruch der Beziehung oder der Sicherheit erlebt. Es gibt ein bekanntes Video über das sogenannte "Still Face"-Experiment von Ed Tronick, in dem ein Baby den plötzlichen Rückzug seiner Mutter erlebt und sofort heftig reagiert. Das ist das Grundmuster für spätere Konflikte, aber auch für das genauso wichtige: die Reparatur.
Wir sind verbunden, dann gibt es einen Bruch, klein oder groß, und dann verbinden wir uns wieder. Wenn man dies als ganz normalenm Zyklus sieht, sind Konflikte schon halb so schlimm.
Warum geht es beim Streit selten um das, worüber ihr streitet?
Die meisten Paare wissen aus Erfahrung, wie schnell ein Muster einrastet, und wie wenig Konflikte eigentlich dem Anlass entsprechen. Es geht meist um anderes.
Es geht oft im Hintergrund um Macht, um vergangene Verletzungen, um das Gefühl nicht gesehen zu werden, um Ressentiments.
Und das typsche dann: Er flüchtet sich in sachliche Erklärungen, während sie die emotionale Mauer spürt und mit Vorwürfen dagegen anrennt. In solchen Momenten übernimmt ein alter Mechanismus das Ruder, den wir aus der Kindheit kennen, um uns sicher zu fühlen, auch wenn er uns heute einsam macht.
Was hilft, wenn Reden allein nicht mehr weiterhilft?
Statt über das Problem zu reden, schauen wir in meiner Praxis erst einmal, was in diesem Moment in euch passiert und wo ihr euch selbst verliert.
Das klassische Gespräch, also Paartherapie im üblichen Sinn, macht Sinn und hat seinen Platz. Aber manchmal kommt es an Grenzen, besonders wenn das Muster schon so eingeschliffen ist, dass ihr denselben Satz schon hundert Mal gesagt habt und er trotzdem nichts bewegt.
Dann kann zum Beispiel der Tango Argentino als Labor nützlich sein. Eure Füße zeigen schneller, wer den eigenen Impuls unterdrückt oder wer die Führung erzwingt, um die Kontrolle nicht zu verlieren. Bei Matthias zum Beispiel: er spürte beim Tango zum ersten Mal den Vulkan aus unterdrückter Wut, den er jahrelang hinter seiner Funktionalität versteckt hatte, um die Bindung zu Rachel nicht zu gefährden. Wenn wir diesen gestauten Kräften Raum geben, wandelt sich das in etwas, das Grenzen setzen kann, ohne den anderen zu verletzen.
Es geht darum, die Verantwortung für die eigene Hilflosigkeit zu übernehmen, anstatt sie als moralische Überlegenheit auf den Partner zu projizieren. Wenn ihr lernt, die Signale eures Körpers wahrzunehmen, bevor der Streit eskaliert, unterbrecht ihr den Autopiloten eurer alten Überlebensstrategien.
Häufige Fragen
Wir reden schon viel miteinander — warum hilft das nicht?
Weil das Muster oft tiefer sitzt als die Inhalte, über die ihr redet. Wenn beide im Streit alte Überlebensmechanismen aktivieren, hilft mehr Kommunikation manchmal nur, dieselben Positionen präziser zu formulieren. Die Arbeit beginnt eine Ebene darunter: was passiert in euch, kurz bevor ihr das sagt, was ihr hinterher bereut?
Ist es normal, dass wir immer über dasselbe streiten?
Ja, und das hat einen Grund. Paare haben meistens zwei oder drei zentrale Themen, um die sich alles dreht, auch wenn die Oberfläche wechselt. Das Muster selbst ist keine Fehlfunktion, es ist die Art, wie zwei Überlebenssysteme aufeinandertreffen. Das lässt sich verstehen und verändern.
Brauchen wir Tango-Erfahrung für eure Arbeit?
Nein. Ich arbeite mit einfachen Elementen: Stehen, Gehen, eine Umarmung halten. Das reicht, um zu zeigen, was körperlich passiert, wenn zwei Menschen aufeinandertreffen. Tanzerfahrung ist ausdrücklich nicht nötig.
Was ist NARM und wie hilft es bei Paar-Konflikten?
NARM (NeuroAffektives Relationales Modell, entwickelt von Dr. Laurence Heller) ist ein therapeutischer Ansatz, der bei den emotionalen Prägungen aus früher Kindheit ansetzt — bei Mustern wie Scham, Selbstverlust oder der Unfähigkeit, sich auf andere einzulassen. Der Körper ist dabei nicht das Ziel, sondern ein Fenster: er zeigt, was emotional noch nicht integriert ist. Im Kontext von Konflikten hilft NARM dabei zu verstehen, welche frühen emotionalen Überzeugungen im Streit aktiv werden — bei wem Rückzug die Lösung ist und bei wem Druck, und warum sich beides gegenseitig verstärkt.
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