Rotraut Rumbaum

Thema:
Dein Körper meldet sich immer wieder mit Symptomen
Wenn der Körper trägt, was keine Sprache gefunden hat
Eine Frau kommt zu mir, Anfang fünfzig, Masseurin seit Jahren, kennt ihren Körper gut . Ihr Problem: "Dieser Druck auf der Brust ist seit meiner Scheidung da. Das sind jetzt sieben Jahre." Sie hat Kardiologen gesehen, alles unauffällig. Was sie beschreibt, ist ihr bekannt und sie hatte sich bisland sich damit arrangiert.
Was der Körper festhält
Aus NARM-Sicht, dem Ansatz von Dr. Laurence Heller, in dem ich arbeite, entsteht chronische Körperspannung oft genau dort, wo eine emotionale Reaktion keinen Ausgang fand. Das Nervensystem mobilisiert Energie, um mit einer Bedrohung umzugehen. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, friert diese Energie ein. Der Körper läuft weiter auf dem Alarmniveau von damals, auch wenn die äußere Situation längst vorbei ist.
Das erklärt, warum Urlaub den Nacken kurz entspannt und er nach zwei Wochen Büro wieder da ist. Die Entspannung war real. Aber was der Körper trägt, wurde dabei nicht berührt.
Ich erlebe das auch bei der Geschichte der Mutter eines Freundes: Sie lag als Kind im Arbeitslager unter dem Beschuss alliierter Tiefflieger und wurde 99 Jahre alt, ohne ein einziges chronisches Symptom. Andere aus ihrer Generation haben ihr Leben lang gelitten, obwohl sie objektiv weniger erlebt hatten. Resilienz hängt weniger vom Ausmaß des Erlebten ab als davon, ob der Körper eine Möglichkeit fand, die Reaktion zu vervollständigen — und ob jemand da war, der dabei half.
Wie es sich zeigt
Was Klienten beschreiben: Eine Festigkeit im Nacken, die nach der Massage nicht weggeht. Druck auf der Brust, verbunden mit einem Atem, der nie ganz tief kommt. Zähneknirschen nachts, ein Kiefer, der tagsüber nie richtig loslässt. Herzrasen ohne erkennbaren Anlass.
Dazu kommt oft das Gefühl, diese Signale schon lange zu kennen. Dass sie einfach "dazugehören". Besonders bei Männern wird das lange dem aktuellen Stress zugeschrieben, bis irgendwann eine größere Krise eintritt und plötzlich ein anderer Zusammenhang sichtbar wird.
Wie ich damit arbeite
Wenn medizinisch keine Ursache gefunden wird, lohnt sich die Frage: Was trägt der Körper stellvertretend für das, was emotional keinen Platz hatte?
In NARM gehen wir vom gegenwärtigen Erleben aus. Was ist jetzt da, in diesem Moment? Was passiert mit dem Atem, wenn du einen Moment dort bleibst? Manchmal verschiebt sich etwas über die körperliche Erfahrung, bevor die Geschichte dahinter überhaupt auftaucht — das ist bei chronischen Spannungen oft der direktere Weg.
Bei manchen Klientinnen arbeite ich zusätzlich mit NARM Touch, einer Form achtsamer, abgestimmter Berührung. Berührung gibt dem Körper eine Erfahrung von Sicherheit, die das Gespräch allein manchmal nicht erreicht.
Die Frage, die dabei im Raum bleibt: Was hat dir dieses Muster früher ermöglicht ,und was kostet es dich heute?
Häufige Fragen
Ich habe alles medizinisch abklären lassen und es wurde nichts gefunden. Was jetzt?
Das nehme ich ernst. Wenn der Körper sich meldet und medizinisch nichts gefunden wird, lohnt ein anderer Blickwinkel: Was trägt er möglicherweise stellvertretend? Das schließt die ärztliche Abklärung nicht aus, es ergänzt sie.
Muss ich über meine Vergangenheit reden, um körperliche Symptome zu verändern?
Nicht zwingend. Wir arbeiten vom jetzigen Erleben aus. Was ist gerade da, in diesem Körper? Das kann ein Einstieg sein, ohne dass du deine Geschichte vollständig erzählen musst.
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