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Erstgespräch und Schluss? Das ist ok.

11. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Sept.

Erstgespräch Header

Über Absagen und Zusagen bei Erstgesprächen

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie in Wiesbaden und führe seit Jahren Erstgespräche, inzwischen weit über hundert. Einige davon münden in eine längere Zusammenarbeit und andere nicht. Ich wollte hier mal hinschauen, was da eigentlich passiert, wenn jemand nach einem ersten Treffen absagt.

Ich freue mich natürlich mehr auf Zusagen, vor allem wenn ich das Gefühl habe "es passt", aber Absagen sind Teil der Realität. Wenn du auf Therapeutensuche bist, hast du aber vielleicht noch keine gute Orientierung , was ein Erstgespräch realistischerweise leisten kann.

Das möchte ich hier ein bisschen aus meiner Sicht darstellen.

Was ein Erstgespräch ist

Ein Erstgespräch ist ein gegenseitiges Kennenlernen unter etwas ungewöhnlichen Bedingungen: du sitzt mir gegenüber (auf meinen Sitzsäcken oder Sitzkissen im Studio oder online) und kennst mich noch nicht, redest über Dinge, die du sonst vielleicht nicht so schnell ansprichst. Und gleichzeitig versuchst du noch zu spüren, ob das hier mit mir passen könnte.

Das ist viel auf einmal. Und manchmal kommt dabei etwas ins Gespräch, oder zumindest ins Bewusstsein, mit dem man gar nicht gerechnet hatte.

Fünf Gründe, warum manche danach absagen

Die Tiefe war zu tief

Manchmal sucht man im Erstgespräch Orientierung oder einfach eine Einschätzung von außen. Dann kann ein Gespräch kommen, das schneller in die Tiefe geht als erwartet, weil das Thema selbst dorthin führt, wenn jemand aufmerksam zuhört. Und das tue ich!

Das kann sich zu intensiv anfühlen, und dann kommt die Rückmeldung: Das war mir zu viel, ich brauche gerade etwas anderes.

Damit kannst du absolut recht haben. Manchmal ist ein langsamerer Einstieg das Richtige, manchmal ist der Zeitpunkt schlicht noch nicht da.

Der Ansatz passt nicht zum Anliegen

Tiefenarbeit richtet die Aufmerksamkeit stark auf das emotionale Erleben und auf die Frage, wie jemand selbst mit dem umgeht, was er wahrnimmt und fühlt. Das ist etwas anderes als Verhaltenscoaching oder lösungsorientierte Kurztherapie.

Wenn du konkrete Strategien suchst oder an einem spezifischen Verhalten arbeiten möchtest, findest bei mir vielleicht nicht das, was du brauchst. Das sage ich dir auch ehrlich im Erstgespräch, falls das so wäre.

Die Chemie hat nicht gestimmt

Das kann immer passieren: Therapie ist Beziehung. Wenn die Grundsympathie und eine gewisse Resonanz fehlt, ist das einfach eine Information: es passt nicht.Das ist ok.

Es sagt nichts über die Qualität der Therapeutin aus und ist nicht dein Fehler. Manchmal passt es einfach nicht.

Äußere Umstände

Manchmal ist das Gespräch gut, die Richtung stimmt, und trotzdem sagt jemand ab. Wegen Kosten, Entfernung, einem Terminproblem, einer veränderten Lebenssituation. Das ist einfach manchmal so.

Das Gespräch hat schon weitergeholfen

Das ist der Typ, der am häufigsten übersehen wird. Manche Menschen kommen mit einem Druck, den sie nicht einordnen können, und das Erstgespräch gibt ihnen einen Namen für das, was sie drückt. Das reicht manchmal, um den nächsten Schritt selbst zu machen.

Das ist, finde ich, ein vollkommen gültiges Ergebnis, auch wenn ich dann aus dem Spiel bin.

Woran erkennst du, ob du bereit bist für Tiefenarbeit?

Das ist die Frage, die ich am Ende fast jedes Erstgesprächs innerlich stelle, auch wenn ich sie nicht immer laut ausspreche.

Bereitschaft hat wenig damit zu tun, wie viel Leidensdruck jemand hat. Mancher kommt mit hohem Druck und ist trotzdem noch nicht am Punkt, hinzuschauen. Andere kommen vergleichsweise ruhig und merken im Gespräch: ja, genau das.

Was ich beobachte: Bereitschaft zeigt sich oft darin, dass jemand Interesse an sich selbst mitbringt ocder entwickeln möchte - über das konkrete Problem hinaus. Und dass die Frage „Wie möchte ich mich eignetlich fühlen, was bedeutet für mich wirklich etwas und warum reagiere ich eigentlich so?" aus echtem Interesse oder einer Offenheit für das, was wirklich los ist, kommt. Auch das Unbequeme gehört dann dazu, weil der innere Impuls stärker ist als die alte Angst und gewohnte Schutzmuster.


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