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Therapie-Erstgespräch und Ende? Was das (gutes) über dich zeigt.

11. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Erstgespräch Header

Über Absagen und Zusagen bei Erstgesprächen

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie in Wiesbaden und führe seit Jahren Erstgespräche, inzwischen weit über hundert. Einige davon münden in eine längere Zusammenarbeit und andere nicht. Ich wollte hier mal hinschauen, was da eigentlich passiert, wenn jemand nach einem ersten Treffen absagt.

Ich freue mich natürlich mehr auf Zusagen, vor allem wenn ich das Gefühl habe "es passt", aber Absagen sind Teil der Realität. Wenn du auf Therapeutensuche bist, hast du aber vielleicht noch keine gute Orientierung , was ein Erstgespräch realistischerweise leisten kann.

Das möchte ich hier ein bisschen aus meiner Sicht darstellen.

Was ein Erstgespräch ist

Ein Erstgespräch ist ein gegenseitiges Kennenlernen unter etwas ungewöhnlichen Bedingungen: du sitzt mir gegenüber (auf meinen Sitzsäcken im Studiooder auch online) und kennst mich noch nicht, redest über Dinge, die du sonst vielleicht nicht so schnell ansprichst. Und gleichzeitig versuchst du noch zu spüren, ob das hier mit mir passen könnte.

Das ist viel auf einmal. Und manchmal kommt dabei etwas ins Gespräch, oder zumindest ins Bewusstsein, mit dem man gar nicht gerechnet hatte.

Fünf Gründe, warum manche danach absagen

Die Tiefe war zu tief

Manchmal sucht man im Erstgespräch Orientierung oder einfach eine Einschätzung von außen. Dann kann ein Gespräch kommen, das schneller in die Tiefe geht als erwartet, weil das Thema selbst dorthin führt, wenn jemand aufmerksam zuhört. Und das tue ich!

Das kann sich zu intensiv anfühlen, und dann kommt die Rückmeldung: Das war mir zu viel, ich brauche gerade etwas anderes.

Damit kannst du absolut recht haben. Manchmal ist ein langsamerer Einstieg das Richtige, manchmal ist der Zeitpunkt schlicht noch nicht da.

Der Ansatz passt nicht zum Anliegen

Tiefenarbeit richtet die Aufmerksamkeit auf das emotionale Innenleben und auf die Frage, wie jemand innerlich mit dem umgeht, was er wahrnimmt und fühlt. Das ist etwas anderes als Verhaltenscoaching oder lösungsorientierte Kurztherapie.

Wenn du konkrete Strategien suchst oder an einem spezifischen Verhalten arbeiten möchtest, findest bei mir vermutlich nicht das, was du brauchst. Das sage ich auch im Erstgespräch, wenn es sich zeigt.

Die Chemie hat nicht gestimmt

Das kann immer passieren: Therapie ist Beziehung. Wenn die Grundresonanz fehlt, ist das einfach eine Information: hier passt es nicht.

Das sagt nichts über die Qualität der Therapeutin aus und nichts über die dich. Manchmal passt es einfach nicht.

Äußere Umstände

Manchmal ist das Gespräch gut, die Richtung stimmt, und trotzdem sagt jemand ab. Wegen Kosten, Entfernung, einem Terminproblem, einer veränderten Lebenssituation. Das ist einfach so.

Das Gespräch hat schon weitergeholfen

Das ist der Typ, der am häufigsten übersehen wird. Manche Menschen kommen mit einem Druck, den sie nicht einordnen können, und das Erstgespräch gibt ihnen einen Namen für das, was sie drückt. Das reicht manchmal, um den nächsten Schritt selbst zu machen.

Das ist, finde ich, ein vollkommen gültiges Ergebnis, auch wenn ich dann aus dem Spiel bin.

Woran erkennst du, ob du bereit bist für Tiefenarbeit?

Das ist die Frage, die ich am Ende fast jedes Erstgesprächs innerlich stelle, auch wenn ich sie nicht immer laut ausspreche.

Bereitschaft hat wenig damit zu tun, wie viel Leidensdruck jemand hat. Mancher kommt mit hohem Druck und ist trotzdem noch nicht am Punkt, hinzuschauen. Andere kommen vergleichsweise ruhig und merken im Gespräch: ja, genau das.

Was ich beobachte: Bereitschaft zeigt sich darin, dass jemand Interesse an sich selbst mitbringt, über das konkrete Problem hinaus, und dass die Frage „Warum reagiere ich eigentlich so?" aus echtem Interesse kommt. Auch das Unbequeme gehört dann dazu, weil der innere Impuls stärker ist als die Abwehr.


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