"Der Gong sagt die Wahrheit die du nicht hören willst"
- 27. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Apr.
Nicht nur ich bin vom Gong begeistert!
Jemand schickte mir neulich ein Youtube Recording mit Reggie Hubbard. Ich hatte den Namen noch nicht gehört, aber fand es toll, inklusive seiner Einleitung , die ich unten hab übersetzen lassen
Was mich sofort eingeholt hat: Er nennt den Gong ein sakrales Instrument. Und er meint das ernst. "Don't tempt the spirits" sagt er, und das ist keine poetische Floskel, sondern eine Warnung. Er weiß, was der Gong anrichten kann.
Zu Reggie
Reggie ist ein engagierter Achtsamkeitslehrer, der sich auf Nada Yoga, das Yoga des Klangs, spezialisiert hat. Seine Liebe zu Gongs hat sich zu einer tiefen Leidenschaft entwickelt, die sein Leben maßgeblich prägt. Kurz vor seinem 50. Geburtstag hatte Reggie einen Schlaganfall. Heute bezeichnet er diesen entscheidenden Moment liebevoll als seinen „Tag der Wiedergeburt“. Gongs haben auf seinem Weg der Genesung eine entscheidende Rolle gespielt und ihm geholfen, zu heilen, Frieden zu finden und wieder eine Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen.
Eine Home-Studio für Hintergrund-Geräusche
Dieses Youtube kam übrigens von dieser Seite. Es ist so etwas wie ein eigenes Sound-Studio für Hintergrundgeräusche. Unglaublich dass es sowas gibt - kostenlos, aber wenn man 5 Euro zahlt, hat mal eine viel größere Bibliothek und zusätzliche Mischfunktionen. Einmalig 5 Euro, oder wenn man will, als Subscription.
Der Gong - aus der Sicht von Psychotherapie
Das Interessante für mich als Therapeutin ist, wie er das physiologisch beschreibt. Der Klang wirkt prä-kognitiv, bevor der Verstand überhaupt verstanden hat, was passiert, hat das Nervensystem schon reagiert. Das kennen wir aus der Körperarbeit. Manches kommt durch die Hintertür. Und der Gong scheint eine sehr große Hintertür zu haben.
Er formuliert es so:
The gong will tell you the truth you don't want to hear
Benevolently provocative nennt er das. Das finde ich zutrenffender als viele Beschreibungen von Sound Baths, die ich kenne.
Denn ja, es kann auch zu viel werden. Er sagt selbst: wenn es zu intensiv ist, aufstehen und rausgehen. Er weiß, dass sein Instrument überfordern kann, und er sagt es.
Gongs sind faszinierende Meditationsinstrumente – nicht, weil sie lieblich oder melodisch sind, sondern gerade weil sie es nicht sind. Sie sind von Natur aus unharmonisch. Ihre komplexen Obertöne schimmern und prallen aufeinander. Das erzeugt Dissonanzen und Spannung.
Das sind keine Klänge, die sagen: „Alles ist gut.“ Das sind Klänge, die Fragen stellen. Die dein Gefühl der Geborgenheit herausfordern. Deshalb sind Gongs in der Meditation so kraftvoll: Sie wiegen dich nicht in Sicherheit – sie wecken dich auf. Sie bringen die Stille in Bewegung – und legen offen, was normalerweise darunter verborgen liegt.
Die "Alchemie" des Gong
Was ihn von vielen Sound-Therapeuten unterscheidet, ist sein Verständnis von Energie. Er beschreibt eine Art Alchemie: Aggression, die eingebracht wird, verwandelt sich in etwas Schönes. Das klingt abstrakt, aber wenn man in der Körperarbeit unterwegs ist, versteht man, worum es geht. Gebundene Energie sucht einen Weg. Der obertonreiche Klang kann dieser Weg sein.
Nach seinem Schlaganfall hat er stundenlang geweint beim Spielen. Er beschreibt das nicht dramatisch, sondern fast sachlich: der Gong hat ihm geholfen, etwas zu verarbeiten, was anders keinen Ausweg fand.
Für mich bleibt die Frage, die ich mir auch bei anderen starken körperlichen Interventionen stelle: für wen und wann ist der richtige Zeitpunkt?
Regulation und Destabilisierung liegen manchmal nah beieinander. Aber das ist vielleicht gerade der Punkt, den Reggie Hubbard macht. Der Gong ist kein "Wellnesstool". Darum hab ich auch extra eine Gong-Ausbildung im "meditativ-therapeutischen" Spielen gemacht.
Reggies Beschreibung des Gong (zusammengefasst)
Der Gong ist für Reggie ein heiliges Instrument des Friedens — traditionell bei Feierlichkeiten, Kriegsenden und besonderen Ereignissen gespielt. Er wirkt auf das Nervensystem auf einer vorbewussten, ursprünglichen Ebene: Die Schwingungen erreichen den Körper, bevor der Verstand einordnen kann, was passiert.
Der Gong sagt die Wahrheit, die man nicht hören will — er gibt nicht zurück, was man erwartet, sondern was man braucht. Deshalb ist er „wohlwollend provokativ", ähnlich wie Reggie selbst. Skeptiker sind willkommen, denn dem Gong ist das egal — er wirkt trotzdem.
Für Reggie persönlich ist das Gongspielen das größte Geschenk seines Lebens: Es erlaubt ihm, Aggression und inneres Feuer auf spirituelle Weise in etwas Schönes zu verwandeln — Alchemie, wie er es nennt. Nach seinem Schlaganfall haben die Gongs ihm geholfen, wieder zu sich zu finden.
Seine Anweisungen zum Hören - Kurzgefasst
Vor der Session
Nehmt eine Haltung ein, die von eurer Energie getragen wird
Meditationserfahrene: Spürt den Boden als Stütze; offenes Herz, klarer Kopf, gerade Wirbelsäule
Wer möchte, kann sich auf den Boden legen
Während der Session
Findet euren Atem
Wenn die Energie zu viel wird: aufstehen, herumgehen, ggf. nach draußen gehen
Nicht leiden – einfach reagieren, wie es der Körper braucht
Beim Aufwachen / Ausleiten
Fingerspitzen aneinanderreiben
Handflächen öffnen und schließen
Schwung in die Schultern bringen
Frage: Wie kann ich mich noch großartiger fühlen?
Handflächen aneinanderreiben, Wärme spüren
Hände aufs Gesicht legen, müden Kopf berühren
Eine Hand aufs Herz, eine auf den Bauch
Tief durch die Nase ein-, durch den Mund ausatmen (mehrmals)
Drei reinigende Atemzüge; danach optional: Om / Gesang
Handflächen nach oben (empfangen), dann nach unten auf den Boden
Nach der Session
Bis 21:00 Uhr nicht aufs Handy schauen



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