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Reaktiv im Autopilot in der Beziehung? Dann Duale Achtsamkeit anwenden.

10. Mai
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Aug.

Duale Achtsamkeit Header

TLDR: Ein Weg raus aus dem Getriggert-Werden. Der Post erklärt die Aufmerksamkeits-Technik "Duale Aufmerksamkeit" um wieder mehr Handlungswirksamkeit ("Agency") in emotional stressreichen Situationen zu ermöglichen. Und am Schluss: wo eine Ähnlichkeit zur Meditation besteht.


Ich brauche wahrscheinlich gar nicht zu fragen, ob du das kennst… jedenfalls gelegentlich… den Automatismus und die Reaktivität, die sich in längeren Beziehungen bemerkbar machen können.

Und es ist ja auch nichts Neues, womit das zu tun hat: ein enger Partner wird irgendwann unsere tiefsten Wunden, Gefühle von Verlassenheit oder Überwältigung anrühren - gerade DURCH die Liebe zueinander und weil man sich aneinander gebunden fühlt.

Darum hat der Sexualtherapeut Ulrich Clement sein schönes Buch "Guter Sex TROTZ Liebe" genannt und nicht "Guter Sex WEGEN Liebe".


Das Gefühl der Ohnmacht in der Gemeinsamkeit


Viele Paare, die zu mir kommen, erleben eine schmerzhafte Diskrepanz. Auf der einen Seite ist da die tiefe Sehnsucht nach Nähe und echter Begegnung. Oft mit der Erinnerung, wie es mal war.

Auf der anderen Seite steht der Alltag, der oft von emotionalem Rückzug oder ständigen Verteidigungskämpfen geprägt ist. Die vielen kleinen oder größeren Wunden, die nie repariert wurden.

Der Schmerz in einer Beziehung maskiert sich oft - unter anderem - als

  • Gereiztheit: Als chronische Gereiztheit, hinter der eigentlich eine tiefe Angst vor Ablehnung steckt.

  • Nebeneinander: Als ein Gefühl des „Nebeneinander-her-Lebens“, bei dem man sich einsamer fühlt als allein.

  • Erschöpfung: Als die Erschöpfung, sich ständig irgendwie anzustrengen, zu erklären oder zu rechtfertigen.

Und trotz guter Absicht ist man schon auf Autopilot. Trotz Gesprächen und Self-Help, trotz Gewaltfreier Kommunikation und vielleicht trotz Ehrlichem Mitteilen als Gesprächstechnik. Aber Technik allein hilft langfristig nicht.

Die Brücke: NARM – Wenn wir unseren Gefühlen und dem Körper beim Beziehungsaufbau zuhören


Warum reicht es oft nicht aus, über Probleme zu sprechen? Weil die Muster, die uns heute in der Partnerschaft im Weg stehen, meist in einer Zeit entstanden sind, in der wir noch gar keine Worte hatten. Es sind quasi-biologisch verankerte Überlebensstrategien. Wenn wir uns als Kind nicht sicher oder willkommen gefühlt haben, hat unser Nervensystem gelernt, sich zu schützen, zB in dem sich Organe, Muskeln, Faszien zusammenziehen, durch emotionale Anpassung, durch Vermeidung, Rückzug, Drama, (Auto-)Aggression, Verlust von wahrhaftigem Selbstausdruck und einem verzerrtes Selbstbild etc.

In der NARM-Arbeit (NeuroAffektives Relationales Modell) gehen wir einen entscheidenden Schritt weiter als die klassische Gesprächstherapie. Wir nutzen die sogenannte Duale Achtsamkeit.

Duale Achtsamkeit in meiner therapeutischen Praxis

Duale Achtsamkeit bedeutet: Wir schauen uns in der Therapie nicht nur an, was du über dich und deine Beziehung erzählst, sondern was du emotional dabei erlebst und wie dein Körper reagiert - WÄHREND wir miteinander sprechen.

Wir bewegen uns dabei gleichzeitig auf zwei Ebenen:

  1. Top-down: Überzeugungen: Wir untersuchen die Überzeugungen, die du über dich, den anderen und die Liebe hast („Ich bin nicht wichtig“, „Ich muss alles allein schaffen“).

  2. Bottom-up: körperliche Reaktionen: körperliche Anspannung kann sich aus sich heraus regulieren, wenn dein Nervensystem merkt, dass das was früher als bedrohlich erlebt wurde heute ja gar nicht mehr besteht,. Und dass du heute als Erwachsener viel mehr Kapazitäten hast als damals als Kind. Du kannst nach und nach spüren und realisieren, dass du den Kampf- oder Fluchtmodus nicht immer brauchst und das dein Nervensystem eigentlich dein Freund ist, der versucht dich zu schützen. Aber du sitzt am Steuer und kannst entscheiden, ob du dich wirklich schützen musst oder es sich aufgrund der alten Erfahrungen nur so anfühlt.


Es ist ein präziser, tiefgreifender Prozess, in dem wir gemeinsam die vorhandenen Schutzstrategien gemeinsam neugierig untersuchen. Nicht um sie einzureißen, sondern um zu erforschen und konkret zu erfahren, inwieweit sie euch heute, als erwachsene Partner, noch dienen oder eher zu Leid führen, bzw. eurer Sehnsucht und Liebe im Weg stehen.

Die Rückkehr der Lebendigkeit


Das Ziel unserer Arbeit ist nicht, Konflikte aus dem Paarleben zu verbannen. Konflikte sind natürlich und notwendig. Dafür braucht es Konfliktfähigkeit. Es geht um Agency – die Fähigkeit, die eigenen Emotionen und das eigene Verhalten bewusst wahrzunehmen und zu steuern. Darum, die eigene Handlungsmacht und Gestaltungskraft in Besitz zu nehmen. Was indirekt meist dazu führt, das man sich in Konflikten nicht mehr ängstlich und ausgeliefert sondern in sich selbst verankert und sicherer fühlt. Konflikte können dadurch respektvoller und konstruktiver werden. Wenn ich meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse anerkenne, dann kann ich auch die des anderen achten. Das führt zu weniger emotionaler Abhängigkeit und zu weniger Drama.


Wenn sich diese alten Muster lockern, geschieht etwas Wunderbares:

  • Wahre Verbindung: Du begegnest deinem Partner nicht mehr als Projektionsfläche für alte Wunden, sondern als dem Menschen, der er wirklich ist.

  • Resilienz: Ihr lernt, euch selbst zu regulieren, und helft damit auch dem anderen, sich im Kontakt zu regulieren - anstatt emotionale Abhängigkeiten weiter zu nähren.

  • Authentizität: Du gewinnst die innere Freiheit zurück, im Kontakt wahrhaftig du selbst zu sein und deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, ohne Angst, die Verbindung zu verlieren.


Es geht um die Wiederherstellung eurer Kapazität für Lebendigkeit und Verbundenheit. Denn unter all dem Schmerz und den Schutzmechanismen ist der Kern von Liebe und der Sehnsucht nach Verbundenheit meistens noch da, und braucht "nur" wieder freigelegt zu werden.

Eine Verbindung zur Spiritualität - und der Unterschied: meine Präsenz

Im Grund ist die duale Aufmerksamkeit der Meditation ähnlich: man lernt, durch "meta-kognitives Gewahrsein" mehr und mehr der inneren Vorgänge gleichzeit wahrzunehmen. Viele Meditations-Methoden schulen das.

Der signifikante Unterschied: Meditation ist Solo-Tätigkeit. In einer NARM Stunde passiert das in der Gegenwart eines anderen Menschen - dem Therapeuten oder in der Beziehung mit dem geliebten Partner . Das ist etwas ganz anderes, weil man dann diese "duale Wahrnehmung" im relationalen Feld übt.


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