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Rotraut Rumbaum

Rotraut Rumbaum

Mindful Motion

Wenn die Liebe zur Sackgasse wird: Warum Verstehen allein uns nicht rettet

  • 10. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Es ist dieser eine Moment am Küchentisch. Ein falsches Wort, ein bestimmter Blick – und plötzlich ist sie wieder da: diese bleierne Schwere oder die vertraute, scharfe Wut. Ihr habt Bücher gelesen, vielleicht wart ihr sogar schon bei der Beratung. Ihr wisst theoretisch genau, warum ihr so reagiert. Und doch fühlt es sich an, als würde ein unsichtbares Programm ablaufen, das ihr nicht stoppen könnt.


Ufer A: Das Gefühl der Ohnmacht in der Gemeinsamkeit


Viele Paare, die zu mir kommen, erleben eine schmerzhafte Diskrepanz. Auf der einen Seite ist da die tiefe Sehnsucht nach Nähe und echter Begegnung. Auf der anderen Seite steht der Alltag, der oft von emotionalem Rückzug oder ständigen Verteidigungskämpfen geprägt ist.

Der Schmerz in einer Beziehung zeigt sich selten nur als Traurigkeit. Er maskiert sich oft:

  • Als chronische Gereiztheit, hinter der eigentlich eine tiefe Angst vor Ablehnung steckt.

  • Als ein Gefühl des „Nebeneinander-her-Lebens“, bei dem man sich einsamer fühlt als allein.

  • Als die Erschöpfung, sich ständig erklären oder rechtfertigen zu müssen.


Vielleicht kennst du das: Du nimmst dir fest vor, dieses Mal ruhig zu bleiben. Und im nächsten Moment merkst du, wie dein Körper eng wird, dein Herz rast und du Dinge sagst, die du eigentlich gar nicht sagen wolltest. Es ist, als hätte jemand den Stecker zu deinem erwachsenen, liebevollen Selbst gezogen.


Die Brücke: NARM – Wenn wir unseren Gefühlen und dem Körper beim Beziehungsaufbau zuhören


Warum reicht es oft nicht aus, über Probleme zu sprechen? Weil die Muster, die uns heute in der Partnerschaft im Weg stehen, meist in einer Zeit entstanden sind, in der wir noch gar keine Worte hatten. Es sind biologische Überlebensstrategien. Wenn wir uns als Kind nicht sicher oder willkommen gefühlt haben, hat unser Nervensystem gelernt, sich zu schützen – durch Mauern oder durch Anpassung.


In der NARM-Arbeit (NeuroAffektives Relationales Modell) gehen wir einen entscheidenden Schritt weiter als die klassische Gesprächstherapie. Wir nutzen die sogenannte Duale Achtsamkeit. Das bedeutet: Wir schauen uns nicht nur an, was du über deine Beziehung erzählst, sondern wie dein Körper im Hier und Jetzt darauf reagiert, während wir darüber sprechen.


Wir arbeiten gleichzeitig auf zwei Ebenen:

  1. Top-down: Wir untersuchen die Überzeugungen, die du über dich und die Liebe hast („Ich bin nicht wichtig“, „Ich muss alles allein schaffen“).

  2. Bottom-up: Wir regulieren die körperliche Anspannung. Wenn dein Nervensystem lernt, dass die Gefahr von früher heute nicht mehr besteht, muss es nicht mehr in den Kampf- oder Fluchtmodus schalten.


Das ist keine „Reparatur“ einer defekten Beziehung. Es ist ein präziser Prozess, bei dem wir die alten Schutzwälle gemeinsam untersuchen – nicht um sie einzureißen, sondern um zu verstehen und auch konkret zu erfahren, dass ihr sie heute, als erwachsene Partner, nicht mehr braucht.


Ufer B: Die Rückkehr der Lebendigkeit



Das Ziel unserer Arbeit ist nicht die Abwesenheit von Konflikten. Das Ziel ist Agency – die Fähigkeit, wieder selbst am Steuer deines Lebens und deiner Emotionen zu sitzen.


Stell dir vor, wie es wäre, wenn du in einem Konflikt nicht mehr automatisch „wegtauchen“ oder „draufhauen“ müsstest. Wenn du stattdessen präsent bleiben könntest – bei dir selbst und bei deinem Partner.


Wenn sich diese alten Muster lockern, geschieht etwas Wunderbares:

  • Wahre Verbindung: Du begegnest deinem Partner nicht mehr als Projektionsfläche für alte Wunden, sondern als dem Menschen, der er wirklich ist.

  • Resilienz: Ihr lernt, euch gegenseitig zu regulieren, statt euch gegenseitig zu triggern.

  • Authentizität: Du gewinnst die Freiheit zurück, deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, ohne Angst zu haben, die Verbindung zu verlieren.


Es geht um die Wiederherstellung eurer Kapazität für Lebendigkeit und Verbundenheit. Denn unter all dem Schmerz und den Schutzmechanismen ist euer Kern – und eure Fähigkeit zu lieben – immer intakt geblieben. NARM hilft euch lediglich dabei, den Weg dorthin wieder freizulegen.

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