Rotraut Rumbaum  Mindful Motion

Rotraut Rumbaum

Mindful Motion

Tango als unbemerkte Selbstsabotage? Warum Authentic Movement MANCHMAL hilfreicher ist


Neulich meldete sich ein neuer Tango-Interessent. Er hat schon ein bisschen Tangoerfahrung und fühlt sich von diesem Tanz sehr berührt.


Ihn hatte auf meiner Website mein "Mindful Motion Tango" Ansatz angesprochen. Er wollte sich über den Tango gerne tiefer selbst begegnen.


Außerdem hat er gerade ein paar Jahre intensive Psychotherapie hinter sich und findet, das er zwar einiges verstanden hat, aber sich praktisch nicht wirklich etwas verändert hat. Er würde es einfach nicht schaffen, die Dinge auch umzusetzen. Vielleicht könne es ja tatsächlich helfen, auf der Körperebene anzusetzen und darüber Neues zu erfahren - anstatt das nur mit dem Verstand zu versuchen.

Rotraut Rumbaum Mindful Motion Tango

Tango, um von sich selbst abzulenken?

Tango, als Tool der Persönlichkeitsentwicklung, kann auch(erstmal) kontraproduktiv sein, sofern man auf die persönliche Entwicklung schaut.


Nach der zweiten Stunde dämmerte mir in den verbalen Reflektionen mit ihm, das er sich selbst ausweicht. Er kann sich komplett um die Partnerin kümmern und alles andere "bedienen", wie Rhythmus, Figuren, Technik, Konventionen, etc. Aber genau das ist sein Muster...


Bei sich bleiben, sich erstmal selbst spüren und ausdrücken, Vertrauen in sich finden in Gegenwart eines anderen z.B. über Authentic Movement oder andere tanztherapeutische Tools scheint mir - zumindest erstmal - sinnvoller.


Natürlich geht es auch im Tango um Präsenz und eigene Klarheit. Aber bei tiefliegenden Verhaltensmustern, die auf dem impliziten Gedächtnis des Körpers gründen und kognitiv nicht abrufbar sind, ist die alte Reaktionsschiene so automatisch, das man sie nicht so einfach willentlich abstellen kann. Schon garnicht mit dem Kopf. Und oft auch nicht ohne die Hilfe von Außen.


Die Umarmung und das Abhängigkeitsverhältnis im Tango rühren zu viel an den unbewussten seelischen Strukturen, die die Erfahrung von sicherem Kontakt UND innerer Eigenständigkeit erschweren.


Es kann sein, dass es gut ist, dann erstmal die Wahrnehmung für sich selbst zu stärken, in sich selbst eine Mitte zu finden und Unterstützung für den ganz eigenen Ausdruck und das "so sein" zu bekommen. Ohne Technik. Ohne das "Korsett" des Tangos. Und auch ohne Gehen "zu müssen". Ganz frei. Mit bedingungslosem, unterstützendem Kontakt, den man sich nicht erst "verdienen" muss durch irgendwelche Kompetenzen.



Von Tango zu Authentic Movement

Ich erzähle ihm also von den Wirkungen und Vorteilen von Authentic Movement und er möchte das gerne ausprobieren.


Im Authentic Movement halte ich Beziehung und gebe unterstützende, urteilsfreie Resonanz, die sein Selbsterleben stärkt. Ohne das er dafür erstmal irgendetwas tun muss.


Ohne Fremdbestimmung, äußere Reize und Anforderungen in einem geschützten Rahmen sich selbst zu begegnen, ist für den einen erleichternd, entspannend, Energie frei setzend für den anderen vielleicht erstmal sogar beängstigend.


Aber die inneren Themen sind ja sowieso da , auch wenn man sie versucht zu vermeiden. Mit Bewusstheit einzutauchen in das was da ist, kann sehr heilsam sein. Erinnerungen an frühe Erfahrungen können neuen Erfahrungen weichen, die der eigenen Sehnsucht folgen und weniger der unbewussten Hemmung oder Furcht alter Konditionierungen. Das Setting Authentic Movement und der Kontakt zu mir, als Begleitende trägt.


Und von Authentic Movement zurück zu Tango

Für mich ist Tango nur etwas auf später vertagt. Je nach dem, wie sich sein Prozess entwickelt können wir auch je nach Befindlichkeit und Situation beides parallel laufen lassen.


Mit mehr grundlegender Sicherheit in sich selbst wird es leichter im Tango präsent zu werden und für den anderen da zu sein, ohne ihn mehr als tangomäßig zu brauchen. Und das kann man dann wunderbar im Tango ausbauen und verfeinern.


Also erstmal zum ICH um von dort zum Du , zum WIR und schließlich auch darüber hinaus gelangen.