Bestehst du aus Teilen? Was ich aus NARM Sicht von IFS (Internal Family Systems) denke.
Aktualisiert: 29. Sept.

TLDR: Teile in IFS sind nicht "real" sondern sozusagen therapeutische Metaphern. Während das Konzept von Teilen in dieser weltweit erfolgreichen Therapie eine Analyse-Basis gibt, finde ich, dass IFS den "Teilen" zuviel Realität zuschreibt, und die Methode potentiell eine Fragmentierung fördert statt Autonomie.
"Ich kann meine Teile nicht finden"
Das hab ich in einer IFS-Gruppe öfter gelesen: "Ich kann aber keine Teile / das Selbst finden!". Kein Wunder: diese Teile gibt es ja nicht so real, wie es deine Hand oder den Stuhl gibt: es sind ja letztlich nur mentale Konstrukte, die man während der Suche konstruiert . Es sind imaginäre Konstrukte. Andere Therapieverfahren kennen gar keine Exiles oder Manager oder das "Selbst" in dieser Form. Und das ist mein Hauptproblem mit IFS, und vielleicht deins.
Was ist IFS?
IFS (Internal Family Systems) ist eine sehr populäre Therapie-Methode von Richard Schwartz. IFS behandelt das innere Erleben als Versammlung von "Anteilen", die als eigenständige Akteure mit eigenem Willen auftreten. Da gibt es zum Beispiel Beschützer oder Exiles oder Manager. Jeder Teil hat eine bestimmte Rolle.
Das ist an sich kein ganz neues Konzept. Vor vielen Jahren hatte zB die Familientherapeutin Virginia Satir ihre "Parts Party" populär gemacht.
In letzter Zeit hat Schwartz ein noch radikaleres Konzept von Teilen vorgestellt, indem er sie mit externen Entitäten vergleicht, im Sinne von schamanistischen Vorstellungen.
Was teile ich mit IFS?
Ich teile natürlich mit IFS and NARM Therapeutin einige Grundannahmen, auch wenn ich es anders ausdrücken würde, zB
Die Annahme innerer Muster, die unter der Oberfläche wirken: bei IFS Teile, bei NARM Überlebensstragien
IFS: "Es gibt keine schlechten Teile" (no bad parts). Für mich haben die NARM Überlebensstile (zB Bindung, Autonomie)auch eine ursprünglich positive Intention
Zudem gibt es in der "Somatischen IFS" Theorie von Susan McConnell. erstaunliche Überdeckungen: zum Beispiel teilen wir beide den Begriff von "Mindful Motion". Und wir beide sehen Berührung als wichtige Komponente: ich habe eine Zusatzausbildung NARM Touch, der dem "Affective Touch" von IFS entspricht, selbst wenn die Rolle unterschiedlich ist.
Was ist aus NARM Sicht problematisch in IFS?
Ich sehe einige Probleme:
Fragmentierung: man spaltet innerlich sein Erleben auf - und das kann für einige ein echtes Problem werden, wie man in Gruppen lesen kann
Identifikation: man identifiziert sich mit etwas, das eigentlich ein künstliches Konzept ist
Selbstwirksamkeit: in gewisser Weise gibt man "Agency" auf, indem man den Teilen Autonomie zuspricht.
Zum Lesen und Hören
Zu IFS gibt es zum Beispiel jede Menge YouTube-Videos, die man zur Einführung nutzen kann.
Ich habe mich hier auf das neue Buch zu "Somatischem IFS" von Susan McConell bezogen.
Ich würde das Buch von Laurence Heller und Stefan Niedermayer als Einstieg empfehlen.
PS: Ich gehe davon aus, dass ein IFS Therapeut hier bestimmt differenzieren würde, und freue mich über Zuschriften.



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