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Klangreise und Meditation 3: Klangreise als Einsichts-Meditation (Vipassana)

Dieser Eintrag präzisiert, wie Du eine Klangreise als Einsichts-Mediation (Vipassana) nutzen kannst.


Die Einsichts-Meditation geht über die reine Konzentrations-Technik hinaus. Hier richtest Du Deine Aufmerksamkeit nicht auf ein äußeres Objekt (zb den Atem oder den Klang), sondern auf Deinen wahrnehmenden Geist selber. Dein Geist (mind) schaut sich sozusagen selber bei seinen Aktivitäten zu.

Dies ist eine grundlegende Technik der Meditation: Du nimmst eine innere Perspektive (Betrachtungsweise) ein, die sozusagen selbst der Raum ist, in dem Dein Erleben (letztlich alle mentalen Ereignisse) aufsteigt und auch wieder verschwindet.


Dadurch erlebst Du Dich hörend in der Klangreise nicht mehr als ein individuelles Subjekt, das hört, sondern als den Raum selber, in dem Deine Wahrnehmungen - also auch der Klang und Deine inneren Reaktionen darauf - erscheinen.


Werde Ozean!


Eine berühmte tibetische Lehr-Metapher dazu ist "der Ozean und seine Wellen". Hier wirst Du dazu angehalten, selbst zum Ozean zu werden, der seine eigenen Wellen betrachtet.


Die Wellen können zB Dein Klangerleben, Empfindungen, Gedanken oder Emotionen sein. Diese werden als mentale Ereignisse in dem Raum des Bewusstseins betrachtet, der Du bist.


Stell Dir einfach beim Hören vor, Du seist der Ozean, und alles was in Dir als Klang erscheint, sind seine Wellen (hier sind es ja tatsächlich Schallwellen).

Und jetzt geh mit dieser Metapher in Deiner Vorstellung einen Schritt weiter: der Ozean macht keinen Unterschied zwischen "guten" und "schlechten" Wellen. Wellen sind Wellen! Ob sie größer oder kleiner sind, eine Schaumkrone haben oder nicht - der Ozean wird sich wohl kaum bei Sturm schuldig fühlen, bei oder Flaute in Depression verfallen über die fehlenden Surferwellen beschweren etc.


Und genauso kannst Du meditieren, mit oder ohne Klang: alles was als mentales Event auftaucht, ist eine Welle. Sei es eine angenehme oder unangenehme Empfindung, eine ängstliche Erwartung eines inneren oder äußeren Konflikts, Freude, Enttäuschung, Aufregung, Wut, eine erotische Vorstellung. Oder auch Selbstzweifel wie "Mache ich das so überhaupt richtig?" Oder eine Moment der Langeweile. Oder eine irritierende Ablenkung durch den Nachbar auf der Matte, der gerade bei der "schönsten Stelle" einen Hustenanfall hat oder laut schnarcht. Betrachte "einfach" ALLES als Wellen, die kommen und vergehen!


Für das Hören beschreibt Keith Dowman es so:

Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das Ohr, aber nicht auf einen einzelnen Klang, und lassen jeden Klang passieren, ohne zu urteilen oder zu projizieren, wie beim nicht-wertenden oder spiegelnden Hören

Mehr zu dieser buddhistischen Haltung (Klang-) Erfahrungen gegenüber, auch unangenehmen, gibt es in meinem nächsten Blogeintrag!



Lese- und Höranregungen


Zu meiner eigenen Meditations-Praxis: Ich selber bin ein begeisterte Nutzerin der "Waking Up" Meditationen von Sam Harris.


Culadasa (John Yates), "Handbuch Meditation", https://www.amazon.de/Handbuch-Meditation-Culadasa-John-Yates/dp/3442342155


Keith Dowman, "Dzogchen Semdzins" https://www.amazon.com/Dzogchen-Semdzins-Teaching-Keith-Dowman/dp/1709208392