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Ewiger Streit trotz Gewaltfreier Kommunikation - Warum?

  • 14. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Das alles hilft nicht unbedingt:

 

  • Wer was wie sagt.

  • Aktives Zuhören.

  • Ich-Botschaften benutzen,


Überrascht? Vielleicht von "Gewaltfreier Kommunikation" gehört oder (vergeblich) es damit versucht?





TLDR: Der Post erklärt warum manche kognitiven Techniken wie "Gewaltfreie Kommunication" oft nicht funktionieren, und wie ich mit solchen Problemen arbeite.


Was oft das Problem ist: das Nervensystem, nicht der Kopf


Wir denken bei Paarproblemen oft, das unklare, destruktive oder mangelhafte Kommunikation der Hintergrund sein könnte.



Aber jeder kennt dies:


"Eigentlich" wissen wir, wie wir uns verhalten wolllen: vernünftig, souverän, erwachsen. Und dann passiert es mal wieder...



Ihr sitzt euch gegenüber. Oder nebeneinander. Beide wollen reden, gehört werden und sich verstehen. Und trotzdem kommt nichts an oder wird irgendwie fehlinterptiert.. Im schlechtesten Fall trigger ihr euch nur und das Ganze geht sogar nach hinten los.


In den letzten Jahren benutzen sehr viele Poster, Coaches, Therapeuten den Begriff "Nervensystem" - er hat hohe Beliebtheit als Aufhänger, und das hat seinen Grund.

Mein Klientenpaar das ich im Kopf habe sind ja wahrlich nicht bösartig oder unfähig. Aber - ihre Nervensysteme (sozusagen als Vertreter ihrer selbst) sind garnicht "im Kontakt" miteinander. Das sollten sie aber!


Man könnte auch sagen: sie sind nicht im Verbindungsmodus. Sie schwingen nicht miteinander. Sie greifen nicht, wenn das Nervensystem gerade im Schutzmodus (Kampf-, Flucht, Freeze- oder Fawn) ist.


Verbindung-Modus oder Schutz-Modus? Wo bin ich gerade?


Das Modell, mit dem ich arbeite — das NeuroAffektive Beziehungsmodell, kurz NARM — unterscheidet zwei Zustände.


Nebenbei: ich kenne auch den Überlebensmodus von mir selber, jedenfalls von früher.


Der Verbindungsmodus - ich spüre mich und den anderen


Im Verbindungsmodus ist das Nervensystem reguliert. Das Problem ist da, aber wird nicht als existenziell bedrohlich erlebt. Ich bin innerlich wirklich anwesend. Ich bin bei mir. Ich kann mich selbst und den anderen wirklich wahrnehmen, nicht nur hören, was er sagt, sondern seine Gegenwart tatsächlich spüren. In diesem Zustand ist echte Begegnung möglich.

Der Überlebensmodus - ich fühle mich unverbunden


Im Überlebensmodus ist das anders. Das Nervensystem hat entschieden: Gefahr. Das kann sich ganz verschieden anfühlen. Manchmal als Rückzug — eine Art inneres Verschwinden. Manchmal als Kontrolle — alles festhalten, nichts rein lassen. Manchmal als Überaktivierung — ich rede zu viel, zu schnell, zu laut, weil ein tiefes Gefühl von Hilflosigkeit und innerer verzweiflung übernimmt odunder ich befürchte, den anderen eh nicht zu erreichen. Oder ich versuche mich besonders anzupassen, lieb zu sein, es recht zu machen.



Wenn du selber verfolgen möchtest, wo du gerade bist - hier sind ein paar nützliche Fragen die du die selber stellen kannst.



Wie unsere frühen Erfahrungen uns prägen

Dieser Überlebensmodus ist nicht bewusst gewählt. Er läuft autonom und unbewusst ab. Er ist eine Reaktion des Körpers auf etwas, das als Bedrohung wahrgenommen wird, auch wenn die Bedrohung nicht aus der Gegenwart kommt sondern eigenetlich eine Erinnerung an früher ist.


An eine Erfahrung die so schmerzhaft und bedrohlich war, das unser Nervensystem uns versucht, uns vor ähnlichen Erfahrungen zu schützen. Obwohl wir heute als Erwachsene davon gar nicht mehr existenziell davon bedroht wären.


Das Nervensystem speichert also Erfahrungen. Besonders lebensgeschichtlich frühe Erfahrungen,


  • Wie Nähe sich angefühlt hat (nicht immer gut - zB der Onkel der zu nahe kam, oder der Kuss der garnicht gewollt war)

  • Ob Kontakt eingestimmt und achtsam und damit sicher war oder nicht

  • Ob auf Bedürfnisse eingegangen wurde und Grenzen respektiert wurden wurden oder nicht

  • Ob der eigene spontane Ausdruck willkommen war oder als zu viel erlebt wurde


Und dann passiert etwas Verrücktes: Der Partner — dieser konkrete Mensch heute, in diesem Raum — sagt etwas, macht etwas, schaut auf eine bestimmte Weise. Und plötzlich antwortet das Nervensystem nicht auf ihn, sondern auf das Echo von damals.



Das "innere Kind" oder "the reactive child" (Terry Real)


Ich frage meine Klientinnen und Klienten manchmal: Was du da gerade fühlst: auf wen bezieht sich das ursprünglich— wie alt bist du da gefühlt gerade? Taucht ein inneres Bild, eine Erinnerung auf?


Denn sehr häufig, wenn man ehrlich in sich hineinspürt und innerlich etwas aufsteigen lässt, fühlt sich das nicht wie 40 oder 55 an. Eher wie 5. Oder wie 3 Jahre alt. Oder man sieht sich gar als allein gelassener, schreiender Säugling.


Das kindliche Nervensystem, das damals gelernt hat, sich auf bestimmte Weise zu schützen und an mangelhafte Umstände anzupassen, ist immer noch aktiv. Es meldet sich durch körperliche Signale, starke Emotionen, Vermeidungsverhalten etc. Besonders in nahen Beziehungen und seelisch- körperlicher Intimität. Besonders dann, wenn wir uns am meisten wünschen, gesehen und wirklich gefühlt zu werden.


Das Problem ist nur, dass dieser Schutz in der Gegenwart oft genau das verhindert, wonach wir uns meisten sehnen. Und dann wundern wir uns, warum bei unseren Paarkonflikten "Gewaltfreie Kommunikation" irgendwie die Probleme doch nicht hat lösen können..


Wie wir damit arbeiten


Wenn ich also mit einem Paar arbeite, interessiert mich: was erlebst du gerade im Kontakt mit dir und deinem Partner? Was erlebst du im Körper? Welche Gefühle schieben sich in den Vordergrund?


  • Manchmal entsteht schon allein durch diese Fragen etwas. Weil Raum entsteht, mit sich in Kontakt zu kommen und jemand selber merkt: Ich bin irgendwie gar nicht wirklich anwesend. Ich spüre mich nicht so richtig. Ich befürchte... Ich traue mich nicht.... Ich sehne mich eigentlich nach...


  • Manchmal braucht es etwas mehr Erforschung, denn dieses parallele Erforschen der ursprünglichen Emotion aus der Vergangenheit un d der Paarsituation heute, die unbewusst daran erinnert und auf Autopilot Reaktionen hervorruft, braucht Feingefühl und einen sicheren, urteilsfreien Rahmen.


Das, was wir im NARM-Modell das Verbindungssystem nennen, ist nicht etwas, das man durch guten Willen einschaltet. Es ist etwas, das sich öffnen kann, wenn das Nervensystem genug Sicherheit durch emotionale und/oder körperliche Verbundenheit wahrnimmt.


"Raum halten" - was bedeutet denn das? Meine Räume in Wiesbaden


Noch so ein überbenutzter Begriff aus dem Amerikanischen: "Raum halten". Ich kann ihn hier mal übersetzen,


Meine Aufgabe in der Paarsitzung ist deshalb nicht, zwischen zwei Positionen zu vermitteln. Meine Aufgabe ist, euch durch meine Präsenz eine Unterstützung zu geben, in einen "inneren Raum" einzutauchen, in dem beide Nervensysteme die Möglichkeit haben, langsam und ohne Druck wieder zur Ruhe und in Verbindung zu kommen. Und mit euch zu erforschen, was dem im Wege steht.


Dann kann etwas entstehen, das über sprachliche Kommunikation - und oft sogar über taktile Berührung - hinausgeht.


Das Gefühl, dass der andere einen wirklich sieht und hört — und dass man sich davon berühren lässt.

Und das ganze unterstützt dann nicht nur euch als Paar, sondern strahlt ins ganze weitere Leben aus: Familie, Kollegen, der Verkäufer im Supermarkt. Auch darum mache ich diese Arbeit wirklich gerne.


Im zweiten Teil spreche ich über die konkreten Muster, die ich in der Paartherapie am häufigsten sehe — und was mir in der Arbeit damit wirklich hilft.


Zudem: mein schönes Studio in Wiesbaden ist auch ein "Raum" in dem sich die meisten sehr wohlfühlen. Weniger formell. Mit Sitzkissen und Felle statt Stühlen. Mit viel Raum für Bewegung.


Mein Studio in Wiesbaden


So sieht es aus, wenn wir uns treffen. Oder Stühle - aber ich habe kein Sofa!




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