Rotraut Rumbaum
Überlastung und Parentifizierung
Überfürsorge und Parentifizierung
Du hast gelernt, für andere da zu sein, und bist es auch. Aber was ist, wenn es um deine Bedürfnisse, Wünsche geht? Kannst du das aussprechen, ohne dich schuldig zu fühlen, wenn es heißt "etwas weniger für andere - oder vielleicht nichts mehr für eine bestimmte Person"? Welche Schuldgefühle oder Gedanken oder körperliche Reaktionen steigen auf?
Was ist Parentifizierung und wie wirkt sie sich aus?
Kinder, die früh gelernt haben, die Bedürfnisse der Erwachsenen zu lesen und die eigenen hintenanzustellen, tragen diese Haltung oft bis weit ins Erwachsenenleben. Das eigene Nein fühlt sich dann egozentrisch oder sogar gefährlich an.
In einer Stunde, als sie übte, nur für sich selbst zu sprechen, hielt eine Klientin mitten im Satz inne. Sie merkte, dass sie schon wieder einen Satz angefangen hatte mit: Ich verstehe ja, dass er... Und dann sagte sie leise: Das kann ich gar nicht. Einfach ich sein, ohne gleichzeitig an ihn zu denken.
Wie lernt man, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu vertreten?
Wir stärken in der Arbeit, was ich Handlungsfähigkeit nenne. Du übst, nur für dich selbst zu sprechen, und wir schauen, was die Erschöpfung oder das Unwohlsein dir sagen will. Schritt für Schritt lernst du, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört.

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Anmerkung zu Fallbeispielen und Anonymisierung:
Alle Fallbeispiele auf dieser Website basieren auf echten therapeutischen Begegnungen. Namen und Vornamen sind grundsätzlich geändert. Darüber hinaus werden typischerweise weitere Merkmale verändert oder zusammengeführt: Alter und Lebenssituation werden angepasst, biografische Details wie Familienkonstellationen werden variiert, und einzelne Fälle werden gelegentlich zu einer zusammengesetzten Geschichte verdichtet, wenn das die Dynamik klarer zeigt als ein einzelnes Beispiel.
Was erhalten bleibt, ist die emotionale und therapeutische Wahrheit der Situation: das Muster, die Dynamik, der Prozess. Darum geht es.


