Rotraut Rumbaum
Grenzen setzen und Nein sagen
Grenzen setzen und Nein sagen
Im Beruf es ist kein Problem. Da gibt es klare Grenzen und klare Ansagen. Aber in der Partnerschaft bricht das zusammen: Sobald Spannung entsteht, lächelst du und versuchst, es dem anderen recht zu machen, obwohl du innerlich längst wütend bist, und hinterher ärgert dich das an dir selbst und du weißt nicht warum.
Warum passiert das in Beziehungen?
Ein echtes Ja braucht ein inneres Ja zum Nein. Aber das Nein sitzt in einer alten Angst: Wenn ich Nein sage, wenn ich meine Wut zeige, dann verliere ich die Verbindung. Wut wird nicht fehlinterpretiert, sie wird wirklich als existenzielle Bedrohung für die Beziehung erlebt. Das ist ein Autonomie-Überlebensstil — der innere Konflikt zwischen "Ich darf mich zeigen" und "Ich muss die Bindung halten".
Wie arbeitet man damit?
Manchmal beginnt die Arbeit ganz sprachlich, im Dialog zwischen uns. Ich hatte eine Klientin, die das Nein überhaupt nicht aussprechen konnte. Wir haben geübt: einfach mir gegenüber Nein zu sagen, mehrfach, laut, direkt. "Ich will nicht, dass du näher kommst." Das war für sie fast unvorstellbar. Und als sie es dann tat, kamen Tränen — weil das Nein gleichzeitig etwas tiefes Bedürfnis nach Ja freisetzte, das dahinter gewartet hatte.
Oder wir erkunden das körperlich mit NARM Touch. Über Berührung spüren wir, wie sich das Grenzensetzen für dich anfühlt, und du übst das Nein auszusprechen. Die Erfahrung dabei ist fundamental: eine Verbindung hält das aus. Es ist unsere therapeutische Beziehung, aber die Erfahrung, die du machst, ist genauso real wie in anderen Beziehungen. In beiden Fällen geht es nicht darum, die Vergangenheit zu analysieren. Es geht darum, jetzt hier zu erfahren: Ich darf Nein sagen, und die Beziehung bricht nicht zusammen.

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Anmerkung zu Fallbeispielen und Anonymisierung:
Alle Fallbeispiele auf dieser Website basieren auf echten therapeutischen Begegnungen. Namen und Vornamen sind grundsätzlich geändert. Darüber hinaus werden typischerweise weitere Merkmale verändert oder zusammengeführt: Alter und Lebenssituation werden angepasst, biografische Details wie Familienkonstellationen werden variiert, und einzelne Fälle werden gelegentlich zu einer zusammengesetzten Geschichte verdichtet, wenn das die Dynamik klarer zeigt als ein einzelnes Beispiel.
Was erhalten bleibt, ist die emotionale und therapeutische Wahrheit der Situation: das Muster, die Dynamik, der Prozess. Darum geht es.


