Rotraut Rumbaum
Sich klein machen
Angst davor, sich zu zeigen
Du weißt, was du kannst und/oder wer du bist. Aber sobald du dich - dein Inneres - wirklich zeigen sollste oder könntest, macht dein Körper zu: die Kehle, der Atem. Du wirst kleiner, vorsichtiger, bist plötzlich nicht mehr sicher, ob das, was du mitzuteilen hast, auch wirklich gut genug ist. Und du wirkst verkrampft, zu deinem eigenen Ärger, der es nicht besser macht. Oer du kannst deine Identität nicht zeigen - "Ich bin eine Frau". "Ich bin ein Mann".
Was dahinter steckt
Die Angst davor, sichtbar zu sein, ist oft die Angst davor, dass deine Präsenz selbst die Verbindung gefährdet. Das ist nicht dasselbe wie die Angst vor Abweisung. Es ist tiefer. Dein Körper speichert die Erfahrung: Wenn ich mich zeige, wenn ich groß bin, wenn ich meine Stimme habe — dann verliere ich die Bindung. Dein Selbstausdruck wurde als Bedrohung für die Beziehung erlebt, und das sitzt im Nervensystem.
Eine Klientin sagte mir: In mir drin weiß ich genau, wer ich bin. Da bin ich groß. Aber sobald da jemand ist, der mich sieht, verschwinde ich. Das hat mich gerührt, ehrlich gesagt, weil es zeigt, wie sehr sich das anfühlen muss — eine innere Vollständigkeit, die man nur alleine haben darf.
Was hilft
Wir arbeiten nicht daran, dass du dich "sicherer fühlst". Das ist zu wenig. Wir arbeiten daran, dass du erlebst, dass deine Sichtbarkeit nicht automatisch die Bindung zerstört. In einer Sitzung bot ich meiner Klientin an, sich hinter einer Säule zu verstecken und von dort aus erste Töne zu wagen.
Es klingt vielleicht merkwürdig, aber es hat etwas verschoben. Durch Authentic Movement und gemeinsames Tönen suchen wir nach der Erfahrung: Ich kann, ich darf groß sein, UND ich bin in Kontakt.

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Anmerkung zu Fallbeispielen und Anonymisierung:
Alle Fallbeispiele auf dieser Website basieren auf echten therapeutischen Begegnungen. Namen und Vornamen sind grundsätzlich geändert. Darüber hinaus werden typischerweise weitere Merkmale verändert oder zusammengeführt: Alter und Lebenssituation werden angepasst, biografische Details wie Familienkonstellationen werden variiert, und einzelne Fälle werden gelegentlich zu einer zusammengesetzten Geschichte verdichtet, wenn das die Dynamik klarer zeigt als ein einzelnes Beispiel.
Was erhalten bleibt, ist die emotionale und therapeutische Wahrheit der Situation: das Muster, die Dynamik, der Prozess. Darum geht es.


